„Das ist mehr als Unterhaltung“

Ileana Mateescu gehört zum neuen Ensemble an der Oper Dortmund. Foto: Franz Luthe
Ileana Mateescu gehört zum neuen Ensemble an der Oper Dortmund. Foto: Franz Luthe
Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund. „Glück Ahoi!“ steht auf Ileana Mateescus T-Shirt. Und tatsächlich scheint die Mezzosopranistin gerade auf einem günstigen Kurs zu segeln: Sie gehört zum neuen Ensemble des designierten Opernintendanten Jens-Daniel Herzog.

Dabei war das Wetter durchaus nicht immer auf ihrer Seite: Als Ileana Mateescu im letzten Winter zum Vorsingen nach Dortmund fahren wollte, fiel immer mehr Schnee – und die Reise von Mainz wurde zu einer Odyssee des Umsteigens. „Ich hatte das Gefühl, ich komme nie an.“ Als sie nach viereinhalb Stunden endlich da war, dauerte es keine 30 Minuten: Ileana Mateescu sang zwei Stücke, ging und wartete. Die Zusage kam am 11.1.2011 – ein Glücksdatum.

„Dortmund ist für mich eine große Chance“, sagt die Mezzosopranistin mit dem dunklen Haar und den roten Lippen über ihr erstes Engagement. „Jetzt muss ich alles lernen, was man im Studium nicht mitbekommt. An der Hochschule ist theoretisch immer alles wunderbar – aber auf der Bühne zu stehen ist etwas ganz anderes.“

Schwerpunkte Mathe und Informatik

Ihr Weg dorthin war allerdings kein geradliniger. Die gebürtige Rumänin hat zwar schon als Kind in der Schule Geige gespielt. Als es aber um ihre Zukunft ging, entschied sie sich für ein Lyzeum mit den Schwerpunkten Mathe und Informatik. „Ich dachte, damit komme ich überall hin.“ Womöglich wäre sie das auch. „Aber die Leidenschaft für Musik ist geblieben.“

Ein Erlebnis schließlich hat Ileana Mateescu umkehren lassen: Als sie in der Oper war und hinter die Bühne ging, um Autogramme zu holen. „Als ich diese Welt hinter den Kulissen sah, die Sänger, die Techniker, war ich total begeistert. Wie unter Drogen. Für mich war das der Moment.“ Ileana Mateescus Augen blitzen wach, wenn sie erzählt.

Spezialität Hosenrollen

Doch obwohl die 25-Jährige Gesang in Bukarest studierte, wollte sie nicht in ihrer Heimat bleiben – angesichts von wenigen Opernhäusern und Stellen sowie teils verstaubten Inszenierungen. „Wenn es einen Sinn hat und ich ihn verstehe“ ist Ileana Mateescu für moderne Ansätze offen. „Mich stört es nur, wenn das als Selbstzweck gemacht wird.“ Die Mezzosopranistin liebt die Verquickung von Gesang und Schauspiel – Hosenrollen sind ihre Spezialität. „Meine Stimme und die Technik sind mein Instrument, um mich auszudrücken. Das Schauspiel beeinflusst das Singen sehr – da kommen mehr Emotionen in den Gesang.“ Und trotzdem schätzt sie auch ruhige Momente auf der Bühne, wenn nur der Gesang wirken darf: „Das Publikum ist fähig, das zu verstehen. Es versteht sehr viel.“

Ileana Mateescu liebt die Musik. Und doch würde sie eines nie tun: Auf einer Party vor Freunden singen. „Für mich ist das mehr als Unterhaltung. Außerdem bin ich schüchtern.“ Das allerdings kann man kaum glauben, als sie geht: Groß gewachsen, fröhlich, selbstbewusst.

 
 

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