Das andere, positive Gesicht der Nordstadt in Dortmund

Der Nordmarkt in Dortmund von oben. Fotos: Ralf Rottmann
Der Nordmarkt in Dortmund von oben. Fotos: Ralf Rottmann
Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.. Dortmunds Nordstadt sei „berühmt“, genauer: Medienberichte in ganz Deutschland haben sie berühmt und berüchtigt gemacht. Gegen diese einseitige Darstellung richten sich Kunst- und Kulturakteure der KulturMeileNordstadt e.V..

Der Verein KulturMeileNordstadt will den Fokus auf die positiven Aspekte legen. Die Nordstadt auf Horrorhäuser, den Straßenstrich, die Drogenszene, die man ja vor Jahren erfolgreich aus den Innenstadt in den Norden verdrängt habe, „geht uns mächtig gegen den Strich und ist ungerecht und wenig differenziert“, so Annette Kritzler, Vorsitzende des Vereins. Vorstandsmitglied Rita-Maria Schwalgin: „Natürlich ignorieren wir nicht die Probleme. Nicht umsonst wurden langjährig hohe Gelder (EU-Fördermittel für Urban II) in diesen Stadtteil gepumpt – und schließlich sei auch der Verein aufgrund dieser von Politik und Verwaltung initiierten und unterstützten Projekte entstanden.

Längst sei die KulturMeileNordstadt eine feste Größe und damit selbst eindrucksvolles Beispiel für das „andere Gesicht der Nordstadt“. Der neu gewählte siebenköpfige Vorstand spiegele die Bandbreite wider: Borsigplatz Verführungen, ev. Lydiagemeinde, Roto Theater, der Musiker Boris Gott und die drei bildenden Künstler Hendrik Müller, Almut Rybarsch und Rita-Maria Schwalgin.

Es gebe viel Potenzial: die Szenekneipen, die Programmkinos, die kleinen Theater, die rund 25 Ateliers mit 80 Künstlern, das Hoesch-Museum, die Auslandsgesellschaft. Glaube man der Wirtschaftsförderung gebe es im Norden eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Existenzgründern. Weiteres Indiz eines lebenswerten Stadtteils: Die Wohnbaugesellschaften hätten in ihre Immobilien investiert, ein sichtbares Zeichen des Wandels.

Anwohner machten ihrem Unmut Luft

Zuletzt wurden indes von Bürgern die Probleme mit dem Straßenstrich an der Ravensberger Straße und die daraus resultierenden Folgeerscheinungen für die gesamte Nordstadt diskutiert. Deutlich wurde die Verärgerung bei der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord und der dazugehörigen Einwohnerfragestunde.

Die Anwesenden am Mittwoch machten ihrem Unmut über den Leerstand vieler Wohnungen und Häuser und die damit verbundene schlechte Situation von Vermietern, der von ihnen wahrgenommenen Bedrohung durch das Milieu der Ravensberger Straße und einer voranschreitenden Verwahrlosung des Viertels Luft.

Es gibt auch Lob

Trotz all der Kritik lässt auch Lob nicht lange auf sich warten. Wie etwa von Daniel Poznanski, Verwaltungsdirektor der WAM Medienakademie, welche sich an der Bornstraße im Dortmunder Norden befindet: „Ich begrüße ausdrücklich die Bemühungen in Sachen Ravensberger Straße“. Jedoch ist mit dem Lob ein Appell an die Vertreter der Dortmunder Parteienlandschaft vor Ort verbunden: „Der von ihnen eingeschlagene Weg ist richtig und soll konsequent weitergeführt werden“. Über den nötigen Handlungsbedarf besteht eine parteiübergreifende Einigkeit.

Uneinigkeit besteht hingegen über das genaue Vorgehen. Hans-Georg Schwinn von den Grünen schildert den derzeitigen Diskussionsstand seiner Partei: „Das Thema wird bei uns in der Fraktion stark diskutiert. Eine Schließung ohne Weiterbegleitung halten wir für nicht sinnvoll, da so deutlich mehr Probleme in den Wohngebieten der Nordstadt auftreten können. Es müssen Konzepte geschaffen werden“.

Die möglichen Konzepte der Schließung des Straßenstrichs sind am 31. März Thema im Rat. Eine Vorlage wird dann, wie berichtet, zwei Varianten fokussieren: Zum einen die der kompletten Schließung und zum anderen die der Verkleinerung der Prostitutionsmeile.

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