Darum kommt die RRX-Planung nicht voran

Ab Ende 2018 sollen die ersten Züge des Rhein-Ruhr-Express (RRX) durch das Ruhrgebiet rollen. Doch damit die schnellen Züge so richtig Tempo aufnehmen können, muss die Bahnstrecke noch aufwendig umgebaut werden. In Dortmund hinkt die Umbau-Planung weit hinterher. Wir erklären die Hintergründe.

Dortmund. Was ist geplant?

Grundsätzlich soll der RRX kreuzungsfrei auf eigenen Gleisen, unabhängig vom übrigen Zugverkehr, fahren. Dazu müssen Gleise neu gebaut, Weichen versetzt und Brücken erweitert oder ersetzt werden. Die nötige Planfeststellung ist in sechs Teilbereiche unterteilt. Während für den ersten Abschnitt im Kölner Raum seit 2014 eine Plangenehmigung vorliegt, scheint es bei den Planungen für Dortmund eher Rück- als Fortschritte zu geben.

Warum tut sich in Dortmund nichts?

Für die DB Netz AG, die für den Infrastruktur-Ausbau zuständig ist, ist das Umbauprogramm mit dem erhofften Ausbau der Bahnstrecke zwischen Lünen und Münster verknüpft. Sie wäre eine von fünf RRX-Strecken, die über Dortmund führen. Im Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans, der Investitionen bis 2030 festlegt, gehört die Strecke Lünen- Münster allerdings nicht zum vordringlichen Bedarf.

Was sind die Folgen?

Für die Bahn ist das Anlass, alle Planungen für Dortmund auf den Prüfstand zu stellen. "Wir befinden uns wieder im Stadium der Vorplanung", erklärte eine Bahnsprecherin auf Anfrage.

Bisherige Planungen sehen vor, die Bahnstrecke vom Hauptbahnhof in östliche Richtung um zwei Gleise zu erweitern. Das bedeutet, dass die Brücken erweitert werden müssten. Die Überführungen über die Bornstraße, über die Gronaustraße, die Heroldstraße und die Borsigstraße würden bei einer großen Lösung ganz oder teilweise neu gebaut, die Brücken am Burgtor und an der Oesterholzstraße erweitert. Jetzt wird überprüft, ob das alles noch nötig ist, wenn der Ausbau der Bahn-Strecke nicht kommt.

Warum spielt der Ausbau der Strecke eine so große Rolle?

Knackpunkt bei den Überlegungen zur Anbindung der Strecke nach Münster ist eine neue Bahnbrücke, auf der der RRX kreuzungsfrei über die Bahnstrecke nach Hamm in Richtung Norden rollen soll. Bislang wird der Gleiswechsel über Weichen geregelt. Für die Bahn stellt sich nun die Frage, ob man angesichts des nicht absehbaren Ausbaus der Münster-Strecke an dem aufwendigen Bauwerk festhalten kann. Das hätte auch Einfluss auf die Kosten. Bislang ist für den Umbau des Bahn-Knotens Dortmund die Summe von 600 Millionen Euro veranschlagt. Ohne Kreuzungsbauwerk würde es deutlich billiger.

Letztlich geht es darum, dem Bund als Fördergeber nachzuweisen, ob die neue Brücke wirklich nötig ist. Eine Rolle dürfte dabei auch die Tatsache spielen, dass an dem Abzweig der Bahnstrecke nach Münster nahe der Bornstraße das Instandsetzungswerk für alle RRX-Züge gebaut wird. Sie müssten also auf jeden Fall über die Strecke fahren.

Welche Folgen hat das für den Zeitplan?

Mit einem Abschluss dieser Vorplanung ist laut Bahn bis Ende 2017 zu rechnen. Dann folgt die Entwurfsplanung, um die Planfeststellung einleiten zu können, die erfahrungsgemäß zwei bis drei weitere Jahre dauern dürfte. Vor 2021/22 dürften die Bauarbeiten also nicht starten. Und auch die werden einige Jahre in Anspruch nehmen.

Das heißt, dass der RRX-Vorlaufbetrieb zwar Ende 2018 mit neuen Zügen startet. Bis zum Endausbau mit eigenen Gleisen und vollem Tempo werden insbesondere im Raum Dortmund noch viele Jahre vergehen. Zeitziel dafür ist das Jahr 2030.

Oliver Volmerich