Darum ist das "Horrorhaus" noch nicht abgerissen

Eigentlich sollte die als "Horrorhaus" bekannt gewordene Schrott-Immobilie an der Kielstraße 26 in der Nordstadt längst abgerissen sein. Jetzt geht die Stadt davon aus, dass die endgültige Entscheidung 2016 fällt. Warum das so lange dauert? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Dortmund. Warum steht das Haus eigentlich leer und ist weder bewohnbar noch begehbar?

Es ist ein Musterfall für eine missglückte Privatisierung. Die Stadt ließ das ehemalige Wohnhaus mit seinen 102 Wohnungen 2002 aus Sicherheitsgründen zumauern. Alle Versuche, einen Investor zu finden, sind gescheitert. Als das Haus 1969 gebaut wurde, befanden sich darin Mietwohnungen mit Mietpreis- und Belegungsbindungen. All diese Mietwohnungen wurden 1993 in Eigentum umgewandelt - der Anfang der Misere. Schon bald wurde deutlich, dass sich viele Käufer schlicht überhoben hatten. Die Mehrheit der Eigentümer wurde insolvent, sie konnten ihre Verpflichtungen gegenüber den Banken nicht nachkommen. Viele Wohnungen wurden leer und verfielen.

Und die Stadt?

Sie will und kann es nicht hinnehmen, dass ein Wohnklotz, in den niemand mehr Geld reinstecken will, unter ihren Augen verfällt, die Sicherheit gefährdet und obendrein die städtebauliche Entwicklung behindert. Überdies mindert das Gebäude den Wert der Nachbarimmobilien. Also bleibt der Stadt nicht anderes übrig, als selber aktiv zu werden.

Warum kauft sie das Haus nicht einfach?

Das hätte die Verwaltung wohl schon längst getan, wenn die Eigentümerstruktur nicht so verworren wäre. Es hat Jahre gedauert, die bis in die USA verstreuten Eigentümer überhaupt ausfindig zu machen. Oft sind auch Banken die Verhandlungspartner. Inzwischen liegt laut Stadt-Sprecher Michael Meinders "eine Vielzahl an Kaufangeboten" vor, wenn auch noch nicht von allen. Klar ist aber auch: Die Stadt ist keinesfalls bereit, für heruntergekommene Wohnungen auch noch "Mondpreise" zu bezahlen; schließlich soll das Haus mit öffentlichen Mitteln, also mit Steuergeldern, gekauft werden.

Wie geht es nun weiter?

Wenn die Stadt von allen Eigentümern akzeptable Angebote vorliegen und sich mit den Nachbarn einig ist, wird die Verwaltung den Rat einschalten. Er muss letztlich entscheiden, ob das Hochhaus gekauft werden soll. In dem Fall will die Stadt das Gebäude sprengen oder abtragen.

Was wird dann gebaut?

Jedenfalls kein neues Hochhaus. Das hat mit Fördermitteln von Land und Bund zu tun. Die Stadt rechnet für das Projekt "Horrorhochhaus" nach bisherigem Stand mit Gesamtkosten von rund 2,5 Millionen Euro. Die trägt sie nicht allein, sondern bezieht Fördermittel. Deshalb darf die Stadt die Fläche nicht gewinnbringend weiterveräußern, etwa an einen Investor. Möglich wäre tatsächlich eine geordnete Grünanlage oder etwa eine Kindertagesstätte.

Gregor Beushausen