CSD feierte Familienfest in der City

Christopher Street Day in der Dortmunder City.
Christopher Street Day in der Dortmunder City.
Foto: Ralf Rottmann

Während draußen schon die wummernden Bässe des Christopher Street Days ertönen, ist es still beim dazugehörigen Gottesdienst in der Reinoldikirche. Das regenbogenfarbige Treiben vor den schweren Türen der Kirche ist der krasse Gegensatz zur Besinnlichkeit im Gotteshaus. Doch trotz dieser Gegensätzlichkeit verfolgen beide Veranstaltungen unter dem Deckmantel des CSD das gleiche Ziel: Die Enttabuisierung von Homosexualität, nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt.

Während die gleichgeschlechtliche Liebe hierzulande weitestgehend akzeptiert ist, zeigt sich die Brisanz des Themas, wenn man über die eigene Lebenswirklichkeit heraus schaut. So geschehen in der Predigt von Pfarrer Andreas Bäppler: „In nahezu 70 Ländern ist Homosexualität strafbar, in sieben steht darauf sogar die Todesstrafe“.

Bäppler gibt mit seiner Predigt einen Einblick in die rechtliche Situation der Schwulen und Lesben auf der ganzen Welt und stellt die rund 100 Gottesdienstteilnehmer vor die Wahl zwischen aushalten oder aktiv werden. Würde man den Besuchern des CSD draußen vor der Tür diese Frage stellen, würde ihre Wahl deutlich auf das Aktivwerden fallen.

Trotz des wechselhaften Wetters setzen sie vereinzelt mit bunten Kostümen ein Zeichen für Homosexualität und Toleranz. Die gleiche Sprache sprechen auch die zahlreichen Infostände, welche sich um die Reinoldikirche aufreihen.

Thematisch erstrecken sie sich von Ständen der Aidshilfe, über Jugend- und Suchtberatung bis hin zu Politständen der FDP, den Grünen, die Linke und der Piratenpartei. Einer der Infostandbetreiber ist Björn Issinghoff vom Dortmunder Lesben- und Schwulenzentrum KCR Dortmund.

Für ihn kommen beim Christopher Street Day das Informieren und das Zelebrieren des eigenen Lebenswandels zusammen: „Dortmund hat beim CSD natürlich nicht die Zahlen, die Köln beispielsweise hat.“ Aber dafür sei es hier ein eher familiäres Treffen und es gebe auch auf Seiten der Vorbeilaufenden wenig Berührungsängste.

„Die Menschen
sollen die Erkenntnis bekommen, dass
wir existieren“

„Unser Anliegen ist es, dass die Menschen grundsätzlich die Erkenntnis bekommen, dass wir existieren“, formulierte Issinghoff vom KCR Dortmund.

Dass der CSD existiert, wird spätestens beim Besuch vor der großen Bühne deutlich. Verschiedene Acts bringen die Besucher für eine lange Nacht in Stimmung.

Das bunte Aushängeschild für Toleranz in Dortmund vereint also leise und laute Töne. Beides steht dem CSD gut zu Gesicht und ist notwendig, um einen einseitigen Blick auf das Thema Homosexualität zu vermeiden.

 
 

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