Claudia Roth übte mit Dortmunder Grünen Sitzblockade

Sophia Schauerte
Üben für die Demo: Dortmunder Grüne und Claudia Roth im Westpark.
Üben für die Demo: Dortmunder Grüne und Claudia Roth im Westpark.
Foto: Ralf Rottmann
Wenn am 1. September Neonazis durch Hörde marschieren, wollen Gegendemonstranten im Weg stehen – oder besser sitzen. Grünen-Chefin Claudia Roth besuchte ihre Dortmunder Parteifreunde beim Probesitzen im Westpark.

Dortmund. „Das ist illegal, was Sie machen, kommen Sie mit!“ Der Tonfall ist barsch, doch Claudia Roth, Bundesvorsitzende der Grünen, lässt das kalt. Eng eingehakt steht sie – flankiert von Ratsmitglied Ingrid Reuter und der Landtagsabgeordneten Daniela Schneckenburger – inmitten des Westparks, wird geschubst, geschoben und unfreundlich gebeten zu gehen. Doch die Lage ist nicht so ernst, wie sie scheint. Vielmehr ist es die Probe für den Ernstfall: Die Dortmunder Grünen hatten zum Blockadetraining eingeladen, um sich auf den geplanten Nazi-Aufmarsch am 1. September vorzubereiten.

„Dortmund war für mich immer die Stadt, die mit Rechtsextremismus und Rassismus nichts zu tun hat“, so Roth. Noch immer hat die Grünen-Frontfrau „heimatliche Gefühle für Dortmund“, fing doch ihr berufliches Leben 1975 „genau hier, im Herzen des Ruhrgebiets“ an. „Die Tatsache, dass Dortmund in der Zwischenzeit ein Zentrum von Rechtsextremismus und Rassismus geworden ist, erschreckt mich total – deshalb bin ich heute gekommen.“

Roth zeigte sich standfest

Und das nicht nur zum Zusehen – anfangs zumindest. In schwarz-weißem Sommerkleid, Lederjacke und Sandalen bezog die Bundesvorsitzende Stellung unter 20 Blockade-Willigen. Zuerst stand die Stehblockade auf dem Lehrplan: „Kompakt hinstellen, in zwei Reihen, die Arme einhaken“, wies Blockade-Trainerin Simone an. Gesagt, getan.

Auch als fünf Pseudo-Polizisten versuchten, die Menge auseinander zu treiben, zeigte sich der prominente Gast standfest. „Es kann schon bedrohlich werden,“ stellte Roth aber inmitten des Hin- und Hergeschubses fest und zog es vor, dem anschließenden Training von außen zuzusehen.

Dabei ist die Bundespolitikerin durchaus Blockade-erfahren: „Ich habe schon viele Blockaden miterlebt, das gehört ja zur Grünen-Geburtsstunde.“ Auch beim Nazi-Aufmarsch vor zwei Jahren in Dortmund war sie vor Ort und erinnert sich noch gut an diese „Mischung aus Wut, Verzweiflung und Unverständnis“, die sie damals empfand.

Am 1. September ist Roth nicht dabei. Dennoch hofft sie auf einen großen Widerstand von Seiten der Zivilbevölkerung: „Es braucht ein Signal bei diesem ersten Aufmarsch nach der Blutspur“, spielt sie auf die so genannten Döner-Morde an. Ein Signal an die Menschen, die in Deutschland leben und Angst haben: Ihr gehört dazu.“