BVB-Ultras schockiert nach Trommel-Verbot durch die Polizei

Die Vorsänger der Dortmunder Ultras.
Die Vorsänger der Dortmunder Ultras.
Foto: Stefan Reinke
In der ersten Halbzeit des Spiels zwischen Borussia Dortmund und Eintracht Braunschweig herrschte über weite Strecken Stille. Der Grund: Die Dortmunder Ultras fühlten sich von der Polizei schikaniert und verzichteten auf jegliche Gesänge — möglicherweise aufgrund eines Fehlers einzelner Polizisten.

Dortmund. "Heimspiel in Dortmund", skandierten die rund 8000 Fans von Eintracht Braunschweig beim Spiel von Borussia Dortmund gegen den Aufsteiger aus Niedersachsen. In der ersten Halbzeit hatten die Anhänger der Gäste das Stadion in der Tat akustisch fest im Griff. Erst in der zweiten Hälfte formierte sich auf der Südtribüne mehr lautstarke Unterstützung für die Borussen.

Der Grund für die so gut wie nicht vorhandene Stimmung der Heimfans war das Schweigen der drei Dortmunder Ultra-Gruppierungen "The Unity" (TU), "JuBos" und "Desperados". Laut Aussagen einiger Ultras waren die Fans zu schockiert, um die Mannschaft wie sonst üblich lauthals zu unterstützen. Denn im Vorfeld des Spiels war es offenbar zu massiven Durchsuchungen durch die Polizei gekommen.

Desperados wurden von der Polizei durchsucht

Die Polizei teilte noch am Sonntagabend mit, sie habe kurz nach 14 Uhr rund 60 Mitglieder der Ultra-Gruppierung Desperados in Höhe des Stadions Rote Erde "kurzzeitig angehalten und die mitgeführten Banner überprüft". Der Grund seien Transparente mit "strafrechtlich relevanten Inhalten", die bei vergangenen Spielen gezeigt worden seien.

Insbesondere handele es sich dabei um Banner mit der Aufschrift "ACAB" (All Cops Are Bastards) sowie ein Transparent, auf dem das Gesicht des Hoffenheim-Mäzens Dietmar Hopp im Fadenkreuz zu sehen sei.

"Wir hatten Hinweise, dass diese Transparente mitgeführt würden", so Polizeisprecher Wolfgang Wieland. Bei der Überprüfung seien jedoch keine solchen Banner gefunden worden. Lediglich eine Sturmhaube wurde sichergestellt. "Alles lief sehr friedlich ab", so Wieland. Auch habe die Polizei keine Personalien überprüft, so dass Befürchtungen, die Fans könnten Einträge in der Datei Gewalttäter Sport erhalten, unbegründet seien.

Laut Polizei wurden lediglich die Desperados überprüft. Jan-Henrik Gruszecki von der Gruppe "The Unity" widerspricht. Es seien auch Mitglieder der anderen Gruppierungen angehalten und intensiv durchsucht worden. Auch "normale Fans", darunter ehrenamtliche Helfer, die Pfandbecher zur Finanzierung eines Dokumentarfilms über BVB-Gründer Franz Jacobi sammeln wollten, hätten sich intensiven Kontrollen ausgesetzt gesehen.

"Ein Polizist hat uns ohne Begründung mitgeteilt, Trommeln und Fahnen seien verboten", so Gruszecki. Sogar Trinkpäckchen mit Capri Sonne seien aufgeschlitzt worden, weil die Polizei darin Pyrotechnik vermutet habe. Eine Schilderung, die Wolfgang Wieland nicht nachvollziehen kann: Der Einsatz sei ausschließlich auf die Desperados fokussiert gewesen.

Polizei sucht Zeugen für etwaiges Fehlverhalten

Das Aufschlitzen von Trinkpäckchen sei definitiv kein Teil des Einsatzskonzepts gewesen, ebenso wenig wie ein Verbot von Trommeln oder Fahnen. Die Polizei sei daran interessiert, wann und wo es zu den Durchsuchungen und dem Trommelverbot gekommen sei — Zeugen werden gebeten, sich bei der Polizei zu melden und die Vorkommnisse möglichst detailliert zu schildern. Möglicherweise handele es sich um ein Fehlverhalten einzelner Polizisten.

Die Ultras waren von den polizeilichen Maßnahmen schockiert. "Damit war der Tag für uns gelaufen", erklärt Jan-Henrik Gruszecki, der "richtig Bock" auf das Spiel gegen Braunschweig und ein akustisches Kräftemessen mit dem stimmgewaltigen Gästeanhang gehabt habe. Umso bedauerlicher sei es auch für die Ultras gewesen, dass sie sich nicht mehr in der Lage sahen, ihre Mannschaft zu unterstützen. "Es ist immer ärgerlich, wenn ein Boykott Unbeteiligte trifft", so Gruszecki. Das Stadion sei jedoch der einzige Ort, an dem Fans wirkungsvoll auf ihre Belange aufmerksam machen könnten. Am Freitag gegen Werder Bremen wollen die Ultras die Mannschaft wieder nach Kräften anfeuern und, so kündigt Gruszecki an, "doppelt Vollgas geben".

 
 

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