BVB-Boss Watzke will Stadion-Schaden von Dresdner Ultras ersetzt haben

Ramponierte Nordtribüne: Das Dortmunder Stadion am Tag nach den Krawallen von Dresdner Fan-Gruppen. Foto: Stefan Reinke/DerWesten
Ramponierte Nordtribüne: Das Dortmunder Stadion am Tag nach den Krawallen von Dresdner Fan-Gruppen. Foto: Stefan Reinke/DerWesten
Foto: Stefan Reinke/DerWesten

Dortmund. Am Tag nach den Fan-Krawallen durch Dresdner Fan-Gruppen am und im BVB-Stadion zog Dortmunds Polizei Bilanz. Einsatzleiter Andres sprach geschockt von gewaltbereiten Straftätern. 17 Leichtverletzte, darunter zwei Polizeibeamte, seien zuviel für ein Fußballspiel.

Auch Dortmunds Polizei zeigte sich von den massiven Angriffen auf die Einsatzkräfte am Dienstagabend durch gewaltbereite Anhänger von Dynamo Dresden geschockt. Nach bisherigem Stand mussten gegen 15 Dresdner freiheitsentziehende Maßnahmen getroffen werden. Mehrere Personen, davon zwei Polizeibeamte, wurden nach jetzigem Stand verletzt.

„Ich bin einerseits froh, aber auch entsetzt. Zuerst mal bin ich sehr froh, dass durch diese gewaltbereiten Straftäter niemand schwer verletzt wurde. Aber auch 17 Leichtverletzte, darunter zwei Polizeibeamte, sind zuviel für ein Fußballspiel. So massive Angriffe gegen die Polizei habe ich in meiner Laufbahn als Polizeiführer von Fußballeinsätzen noch nicht erlebt“, sagte Polizeidirektor Peter Andres als Einsatzleiter. „Diese angeblichen Fußballfans sind in meinen Augen Straftäter, die es nur auf gewalttätige Auseinandersetzungen abgesehen haben. Sie nutzen den Schutz der friedlichen Fans, um aus der Masse heraus ihre Gewalttaten zu begehen.“

Während des Spiels wurde nach Polizei-Darstellung im Fanblock von Dynamo Dresden eine Vielzahl von Pyrotechnik gezündet. Auf Grund von Übergriffen durch Gewalttäter musste das Spiel zweimal durch den Schiedsrichter unterbrochen werden. Polizeibeamte und Ordner wurden auch im Stadion erneut durch „Straftäter" aus den Blöcken der Dresdner Fans angegriffen.

Etwa 150.000 Schaden nach Stadion-Randale

Nach dem regulären Spielende randalierten mehrere Gewalttäter im Stadioninneren und beschädigten dort Verkaufsstände und Stadioneinrichtungen. Der Schaden im Stadion, so der BVB-Organisationschef Dr. Christian Hockenjos, dürfte sich auf eine knapp sechsstellige Summe belaufen. Laut BVB-Boss Hans-Joachim „Aki" Watzke handelt es sich dabei um rund 150.000 Euro. Demnach wurden Verkaufsstände und 200 Sitze zerstört oder beschädigt, zudem Toilettenanlagen in Brand gesetzt.

„Für uns gilt Null Toleranz, was solche Dinge angeht. Das ist nicht tolerabel. Wir stehen in Kontakt mit Dynamo, wir können den Verantwortlichen keinen Vorwurf machen. Wir wollen die Schäden aber ersetzt haben und lassen das juristisch prüfen", so Watzke.

17 Strafanzeigen

Nun fange für die Polizei die Ermittlungsarbeit an. Die Aufnahme von Zeugenaussagen und die Auswertung von Videoaufnahmen zur Verfolgung von Straftaten werde einige Zeit in Anspruch nehmen. Bisher liegen der Polizei nach eigenen Angaben 17 Strafanzeigen vor.

Schon vor Spielbeginn hatten sich nach Behörden-Darstellung ca. 4500 Anhänger von Dynamo Dresden auf dem von der Polizei im Vorfeld angebotenen Parkplatz E3 in der Nähe des Signal Iduna Parks eingefunden, um anschließend ihren Weg zum Stadion anzutreten. Zunächst verhielten sich die emotional angespannten Teilnehmer noch friedlich. Schon hier wurde aber vereinzelt Pyrotechnik gezündet.

Im weiteren Verlauf begannen einzelne Dresdner Gewalttäter, die Polizeiabsperrungen zu durchbrechen und bewarfen Polizeibeamte mit Flaschen und Pyrotechnik. Kurz vor Erreichen des Stadions liefen mehrere hundert Personen auf den Eingangsbereich zu und versuchten, die Einlasskontrollen zu überrennen. Die Beamten mussten daraufhin Pfefferspray einsetzen.

Glasflaschen und Pyrotechnik flogen auf Polizisten

Die Polizei musste während der Einlassphase die Fangruppierungen durch den Einsatz starker Polizeikräfte voneinander trennen. Auch hier kam es zu dem Bewurf von Polizeikräften mit Glasflaschen und Pyrotechnik. Der Zutritt zum Stadion wurde hierdurch erheblich verzögert, so dass auch die Mannschaftsbusse aus Sicherheitsgründen nicht anfahren konnten. Nachdem sich diese Situation geklärt hatte, wurde das Pokalspiel mit 15-minütiger Verspätung angepfiffen.

Nach Spielschluss wurden sogenannte gewaltbereite Problemfans durch Einsatzkräfte zu ihren Bussen begleitet. Hierbei suchten die Straftäter immer wieder gezielt die Konfrontation mit der Polizei. Vereinzelt hielten sich Kleingruppen von Dresdner Anhängern auch in der Innenstadt auf, die offensichtlich die Konfrontation mit BVB-Fans gesucht hätten. Durch den Einsatz starker Polizeikräfte konnten gewalttätige Auseinandersetzungen verhindert werden, heißt es in dem Behörden-Bericht.

Polizei-Gewerkschaft fordert Maßnahmen

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ruft nach Ausschreitungen beim Pokalspiel zwischen Borussia Dortmund und Dynamo Dresden zum Kampf gegen die Gewalt in Stadien auf. "Verbände und Fußballfans dürfen in ihren Bemühungen nicht nachlassen, die Gewalt im Fußballgeschehen zu stoppen. Aus den Vereinen und Stadien muss das unmissverständliche Signal ertönen: Wir wollen euch hier nicht haben", sagte der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut am Mittwoch in Berlin.


Stadionverbote müssten konsequent ausgesprochen und die Sportsgerichtsbarkeit müsse auf die An- und Abreisewege der Zuschauer erweitert werden, erklärte Witthaut. (mit dapd)

 
 

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