Bund der Steuerzahler: Theater-Umbau ist ein Millionen-Grab

Die deutlich höheren Kosten für den Umbau der Theater-Werkstätten rufen den Bund der Steuerzahler auf den Plan. "Unvorhersehbare Störungen", so die Stadt, Verzögerungen, Asbestprobleme und die längere Auslagerung des Schauspiels in den Megastore machen das Bauprojekt fast zwei Millionen Euro teurer.

Dortmund. Geplant waren 11,2 Millionen Euro Investitionskosten für die gesamten Umbauarbeiten. Janine Bergendahl vom Bund der Steuerzahler in Nordrhein-Westfalen sagt, der Bund kritisiere nicht, dass umgebaut wird, "allerdings hätte eine sorgfältige und ausführliche Planung so manche böse Überraschung erspart", sagt Bergendahl.

Wieder einmal sei zu knapp kalkuliert worden, sowohl finanziell als auch zeitlich. "Die Mehrkosten dafür badet der Steuerzahler aus", so die Sprecherin des Bundes.

Mehrkosten und Verzögerungen

Mehrkosten, das sind bis jetzt ein höherer Investitionskostenzuschuss von 1,38 Millionen Euro, beschlossen vom Rat Ende September, ferner Aufwendungen für die längere Anmietung der Ausweichspielstätte im Hörder Megastore von 382.300 Euro und 80.000 ungeplante Euro zur Entsorgung der Asbestfunde in den Lüftungskanälen.

Die Verwendung des gefährlichen Baustoffs Asbest in Gebäuden aus den 1960er Jahren, dürfte wenig überraschend gekommen sein. Bei den Umbauarbeiten in den Theaterwerkstätten war eine Kühlanlage abgerissen worden. Dabei hatte sich eine Staubwolke ausgebreitet. Gefunden wurden allerdings nur geringe Spuren von Asbest, wie ein Gutachter feststellte. Das Theater ließ die betroffenen Bereiche vorschriftsmäßig durch eine Spezialfirma reinigen, das führte zu weiteren Verzögerungen und Verteuerungen.

Handwerker fehlten

Schon der Start zum Werkstattumbau geriet holperig. Für gleich drei zentrale Umbauten fanden sich zunächst keine Handwerker. Bei der ersten Ausschreibung im Internet für die Ausbauten von Theaterschneiderei, der Plastikerei (Herstellung von Kulissen) und des Malersaals gab es insgesamt zehn Abrufe im Internet, aber nicht ein abgegebenes Angebot. Erst die zweite Internet-Ausschreibung brachte die nötigen Handwerker ins Haus. Später waren bestellte Aufzüge vom Hersteller nicht lieferbar.

Bei einzelnen Bauabschnitten habe es dadurch immer wieder Verzögerungen gegeben, heißt es von Geschäftsführerin Bettina Pesch. Empfindliche Störungen begleiteten bereits die Auftaktarbeiten im April dieses Jahres. Bis September 2017 sollten ursprünglich der Umbau des Werkstatt-Komplexes samt Neubau des Magazingebäudes beendet sein.

Beim Magazin-Neubau fürs Schauspiel aber wurden massenhaft Bauschutt und unbekannte Kellerreste gefunden, "die trotz umfangreicher Baugrunduntersuchungen vorab nicht entdeckt worden waren", hieß es aus dem Verwaltungsvorstand der Stadt zuletzt Mitte September. Bettina Pesch sagt auf die Vorwürfe des Bundes der Steuerzahler: "Beim Bauen im Bestand kann es trotz intensivster Vorplanung immer zu Überraschungen kommen." Zu einem mehrfachen Baustillstand hatten auch nicht dokumentierte Bestandsleitungen geführt.

Gleiches Problem am Zoo

Das gleiche Problem tauchte übrigens auch an anderer Stelle in Dortmund auf, am aufgrund seiner Dauer viel kritisierten Umbau des Eingangsbereiches zum Zoo mit dem benachbarten Restaurant. Mit den ersten Umbauarbeiten dort war vor drei Jahren begonnen worden. Die Gastronomie unter neuer Pacht sollte spätestens im Sommer eröffnen. Immer wieder kam es zu Verzögerungen, weil auch dort im Bodenbereich alte, nicht dokumentierte Leitungen gefunden worden waren, die entweder zunächst herausgerissen oder verlegt werden mussten. Ob es mit der Restaurant-Eröffnung Mitte bis Ende November klappt, bleibt fraglich.

Die erste Inszenierung des Schauspiels nach dem Umbau an alter Spielstätte sollte am 10. Dezember dieses Jahres sein. Daraus wird nichts. Aufgrund der Bauverzögerungen muss Schauspiel-Chef Kay Voges mit seinem Ensemble wohl bis Ende dieser Spielzeit im Sommer 2017 im angemieteten, ehemaligen BVB-Megastore an der Felicitasstraße bleiben.

Ulrike Böhm-Heffels