Bulgaren und Rumänen wollen bleiben

Christina Römer
Frank Merkel, Caritas Dortmund.
Frank Merkel, Caritas Dortmund.
Foto: WR-Ralf Rottmann
Sie haben nichts – nicht mal einen Nachweis darüber, dass sie nichts haben. Bulgaren und Rumänen, die in Dortmund auf ein besseres Leben hoffen, können hier fast keine Hilfe in Anspruch nehmen.

Dortmund. Sie haben nichts – nicht mal einen Nachweis darüber, dass sie nichts haben. Doch den brauchen sie in der Regel, um Hilfsangebote nutzen zu können. Bulgaren und Rumänen, die in Dortmund auf ein besseres Leben hoffen, können hier fast keine Hilfe in Anspruch nehmen. Frank Merkel von der Integrationsagentur der Caritas kümmert sich um diese Gruppe. Anbieten kann er ihnen allerdings wenig.

Finanzielle Hilfe, die Förderung von Integrationskursen oder gar die Möglichkeit eine Anstellung zu bekommen, gibt es nicht für die Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien. „Ihre häufigsten Fragen drehen sich um Existenzsicherung und die Möglichkeit, Geld zu verdienen“, weiß Merkel. Nur: „Es gibt keine Stellen, an die ich verweisen kann.“ Selbstständig können sie tätig sein. „Und dabei sind einige recht kreativ“, so Merkel. Wie der Europalettenrestaurierer zum Beispiel.

Seit 2008 beschäftigt sich Merkel bereits mit der Situation der Bulgaren und Rumänen in Dortmund. Mittlerweile unterstützen ihn zwei Honorarkräfte, die in die Stadtteile gehen und mit ihrer Sprachkenntnis Ansprechpartner sind. Dabei hat Merkel im vergangenen Jahr beobachtet, dass die Gruppe größer geworden ist. Etwa 2500 Bulgaren und Rumänen sind offiziell gemeldet, Ende 2010 waren es noch rund 1300. „Dazu kommt natürlich noch eine Dunkelziffer“, sagt Merkel.

Interesse an Integration gestiegen

Darüber hinaus hat der Caritas-Mitarbeiter festgestellt, dass immer mehr dieser Zuwanderer in Dortmund bleiben möchten – obwohl sie hier nicht das goldene Land vorfinden. „Dadurch kommen wir jetzt besser mit den Menschen ins Gespräch“, erklärt Merkel. Und das Interesse an Integration sei gestiegen. „Wir bieten an, ihnen ein paar Brocken Deutsch beizubringen, was gut angenommen wird.“

Wie mit dem Zuzug aus Bulgarien und Rumänien weiter umzugehen ist – „das ist kein Thema für Einzelakteure“, ist Merkel überzeugt. Deshalb kooperiert die Caritas mit anderen Verbänden und Vereinen sowie der Stadt – zum Beispiel im Roma-Netzwerk.

Auch wenn das Dilemma klar sei: Umso bessere Bedingungen geschaffen würden, desto mehr Menschen strömen hier hin und desto unmöglicher werde es für die Stadt, das zu finanzieren. „Trotzdem muss jeder die Möglichkeit haben, hier menschenwürdig leben zu können“, ist Manfred von Kölln überzeugt, Abteilungsleiter Soziale Dienste der Caritas.