"Bürgerliste" wirbt mit dunkelhäutigem Verbrecher um Stimmen

Peter Bandermann
Um dieses Plakat der "Bürgerliste" geht es: 500 Exemplare hängen, wie hier an der Ruhrallee, in Dortmund.
Um dieses Plakat der "Bürgerliste" geht es: 500 Exemplare hängen, wie hier an der Ruhrallee, in Dortmund.
Foto: Peter Bandermann
Peinliche Episode im Kommunalwahlkampf in Dortmund: Von Wahlplakaten der "Bürgerliste" zum Thema "innere Sicherheit" blickt ein grimmiger dunkler Verbrecher herab. Setzt die "Bürgerliste" Gewalt und Kriminalität mit dunkelhäutigen Menschen gleich? Der Vorsitzende verneint. Schuld an der zu dunklen Hautfarbe sei die Druckerei.

Dortmund. Die Bürgerliste ist keine rechtsextreme Partei und fischt mit ihrem Kommunalwahlprogramm auch nicht am rechten Rand. Aber ein Symbolbild auf Plakaten gegen Kriminalität und Gewalt wirft Fragen auf.

Bei der Kommunalwahl am 25. Mai kandidiert die Bürgerliste für den Rat und die Bezirksvertretungen. Eine ihrer Forderungen stammt aus dem Politik-Ressort "innere Sicherheit". 500 Wahlkampfplakate der Bürgerliste zeigen am Straßenrand eine dunkelhäutige Figur, die mit hinterhältigem Gesichtsausdruck zwischen dem Parteinamen "Bürgerliste" und dem Spruch "Gewalt und Kriminalität stoppen!" hervorlugt.

Zu sehen sind sie an Laternen am Straßenrand. Bevorzugt auf den Straßen, auf denen viele Autos fahren. Die von einer Werbeagentur konzipierten Plakate vermitteln den Eindruck, dass allein Dunkelhäutige für Gewalt und Kriminalität verantwortlich seien.

Umtausch der 500 Plakate ist nicht möglich

Eine Aussage, die die Kriminalitätsstatistik der Polizei allerdings nicht hergibt. Denn Kriminalität ist ein internationales Phänomen. Dunkel- wie Hellhäutige begehen Straftaten. "Das Plakat ist nicht fremdenfeindlich", versichert der Vorsitzende der Bürgerliste, Dr. Thomas Reinbold. "In unserem Zehn-Punkte-Programm bekennen wir uns auch klar gegen Rechtsextremismus."

Warum aber der dunkle Hautton im Gesicht des augenscheinlich Kriminellen? "Ein Fehler der Druckerei. Wir haben das Motiv bei einer Bildagentur gekauft. Ursprünglich hatte das Gesicht einen Grauton", sagt Reinbold.

Ein Umtausch der 500 Plakate sei nicht möglich gewesen: "Wir haben die Plakate für 1500 Euro gegen Vorkasse in den Niederlanden drucken lassen. Als freie Wählergemeinschaft können wir es uns auch nicht leisten, eine Neuauflage drucken zu lassen."

Vorsitzender: Gesamteindruck "nicht unbedingt glücklich"

Der Vorsitzende der 1984 gegründeten Bürgerliste hatte beim ersten Anblick der Plakate zwar selbst das Gefühl, dass der Gesamteindruck "nicht unbedingt glücklich" sei. Aber wegen der falschen Farbschattierung würden die Plakate jetzt nicht "eingestampft", so Reinbold. Zumal die Bürgerliste auf 125.000 Postkarten zur Kommunalwahl am 25. Mai auch den Kampf gegen den Rechtsextremismus fordere.