Bürgerarbeiter werben für den Trinkraum in der Dortmunder Nordstadt

Denis de Haas
Mit einer Bürgerarbeiter Manfred Schneeweiß und Sozialarbeiterin Viktoria Kuhl auf einem Rundgang durch die Nordstadt. Foto: Knut Vahlensieck
Mit einer Bürgerarbeiter Manfred Schneeweiß und Sozialarbeiterin Viktoria Kuhl auf einem Rundgang durch die Nordstadt. Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck
Bürgerarbeiter machen auf Rundgängen in der Dortmunder Nordstadt Werbung für den neuen Trinkraum, das Café Berta. Mit einer Sozialarbeiterin gehen sie auf die Straße, um Trinker von der Straße zu holen.

Dortmund. Im Café Berta an der Herold­straße ist der BVB das große Thema. Die vier Bürgerarbeiter fachsimpeln über den Kader für die kommende Saison. Ilkay Gündogan: kann gehen. Shinji Kagawa: soll bleiben. Leo Bitencourt: wird einschlagen. Manfred Schneeweiß muss sich für einen Moment aus der Diskussion ausklinken, für ihn steht die „große Runde“ an.

Gemeinsam mit Sozialarbeiterin Viktoria Kuhl zieht er durch die Nordstadt, sie wollen das Café Berta bekanntmachen. Seit zehn Tagen bietet der sogenannte Trinkraum Alkoholikern ein Dach über dem Kopf. In der ehemaligen Kneipe „Gypsy“ können sie mitgebrachtes Bier oder Wein trinken – auf Anfrage gibt es Beratung vor Ort. „Bei unserem Rundgang treffen wir immer ein bis zwei Menschen, die noch nichts vom Trinkraum gehört haben“, erklärt Viktoria Kuhl.

Es nieselt in einer Tour – die Münsterstraße ist bei dem Schmuddelwetter wie leer gefegt. „Im Frühling und Sommer wird hier viel los sein“, vermutet Manfred Schneeweiß. Er kennt die Umgebung, machte einst seine Lehre zum Kaufmann. Zuletzt war er als Sozialhelfer an einer Schule beschäftigt, nun gehört er zu dem Team der Bürgerarbeiter. Für ihn kein Problem. „Ich mag den Menschenschlag hier. Mir gefällt es, dass die Leute ein wenig rustikaler sind“, erklärt Schneeweiß.

Spontane Entscheidung

Bis er und seine Begleiterin auf den ersten Biertrinker treffen, vergehen zehn Minuten. An einem Kiosk öffnet sich ein Mann eine Flasche Hansa-Pils. Es ist gerade 13 Uhr. Viktoria Kuhl geht aber an ihm vorbei. „Ich entscheide immer spontan, ob ich die Leute anspreche. Man kann ihnen ja nicht direkt unterstellen, dass sie ein Alkoholproblem haben. Damit müssen wir sensibel umgehen“, erklärt die Sozialarbeiterin.

Am Nordmarkt suchen die beiden den direkten Kontakt: Dort trifft sich die Zielgruppe, auch bei schlechtem Wetter. Einen Mann grüßt Viktoria Kuhl nur aus der Entfernung. Bei ihm hat sie mehrmals für den Trinkraum geworben, stieß dabei immer auf Ablehnung. „Dreimal frage ich nach, dann lasse ich die Leute in Ruhe“, erklärt die 26-Jährige.

Überreden bringt nichts

Auf einer Bank entdecken die beiden alte Bekannte. „Die waren schon mal im Trinkraum“, sagt Schneeweiß. Er und seine Begleiterin werden freundlich begrüßt, jeder aus der Runde stellt die Flasche beiseite und schüttelt den Gästen die Hand. Sie plaudern: über das miese Wetter und Handys. „Kommt ihr gleich noch vorbei?“, fragt Viktoria Kuhl. „Heute wohl nicht. Vielleicht morgen“, antwortet ein Mann mit ausgeblichenen Jeans. Damit begnügen sich Kuhl und Schneeweiß. Überreden bringt ja nichts.

Viktoria Kuhl blickt schon in die Zukunft. „Wir haben auch samstags auf“, erklärt sie. Ihr Gegenüber hat was anderes vor: „Nächste Woche können wir nicht. Da spielt Borussia.“ Mit einem Lächeln verlassen Kuhl und Schneeweiß den Nordmarkt. Die Runde ist vorbei , die Arbeit geht jetzt im Trinkraum weiter.