Bülent Ceylan überzeugt in der Westfalenhalle Dortmund als sanfter Macho

Bülent Ceylan Foto: ddp
Bülent Ceylan Foto: ddp
Foto: ddp/Thomas Lohnes
Bülent Ceylan, Comedian mit türkischen Wurzeln, hat am Wochenende die Westfalenhalle Dortmund gefüllt. Er witzelt über Christian Wulff, Türken-Klischees und deutsche Eigenarten. Der sanfte Macho mit entwaffnender Komik ist das lebende Beispiel dafür, dass Thilo Sarrazin mit seinen Thesen Unrecht hat.

Dortmund. Bülent Ceylan ist das lebende Beispiel dafür, dass Thilo Sarrazin Unrecht hat: in Mannheim geboren, deutsche Mutter und türkischer Vater. Der 36-jährige Komiker und Kabarettist spricht mindestens zwei Sprachen fließend: Hochdeutsch und Mannheimerisch! Do guggsch! Am Samstagabend füllt er die Westfalenhalle 1 bis auf den letzten Platz: 9000 Besucher sollen es gewesen sein – der Bühnenaufbau kostet einige Sitzreihen.

Als Bundesbürger ist Ceylan voll krass integriert: einerseits türkischer Macho mit langem schwarzen Haarzopf, spitzem Kinnbärtchen und glitzernder Goldkette um den Hals, andererseits typisch deutsch: mit Campingwagen, Gartenzwerg und dem flotten Spruch „Ich hol‘ gleich die Polizei!“ auf den Lippen, während sich Hassan lieber auf seine Brüder verlässt.

Spiel mit Klischees

„Ich sag‘ die Wahrheit, nichts als die Wahrheit“, verkündet Ceylan gleich zu Beginn, um sich dann vorzustellen: „Ich heiße Wulff“ – in Anspielung auf die Kredit- und Medienaffäre des Bundespräsidenten. „Ein Türke wird Kanzler“ – für diese Wahrheit scheint Deutschland seiner Meinung nach aber noch nicht reif zu sein.

Er selbst ist nach eigenen Worten ein „kleiner türkischer Pascha“ geblieben: „Ich hasse antiautoritäre Erziehung“, stellt er fest. „Da könnt‘ ich grad‘ zuschlagen!“ Virtuos spielt er mit den Klischees: „Da bin ich in ein Land gefahren“, erzählt er in breitem Mannheimer Dialekt mit türkischem Akzent, „wo die ‘was anderes essen und wo ich die Sprache nicht kann“, um dann hinzuzufügen: „In die Türkei!“

Verblüffende Wenden

Seine Kunst liegt in der verblüffenden Wende: Kaum fühlt sich der Zuschauer gerüstet für Bülent Ceylans Verbalakrobatik, liegt er schon rücklings auf dem Boden – und der Künstler grinst: „Produzier‘ mich net!“

Dabei provoziert er gerne selbst: Auf dem Campingplatz etwa platziert Ceylan die Holländer rechts. Denn: „Orange ist das neue Braun.“ Beim Seitenhieb auf die niederländische Mitte-Rechts-Regierung bleibt es nicht. Wenn er von einem „verunglückten Transporter mit vier Neonazis drin“ berichtet, stellt er fest: „Das ist eine Tragödie! Da hätten noch viel mehr ‘reingepasst!“ In Dortmund hat er damit das Publikum auf seiner Seite.

Rollenwechsel

Ceylans Show lebt vom Rollenwechsel. In einen Pelzmantel gehüllt, mit offenen Haaren und Handtäschchen mimt er Anneliese, die „Diplom-Schlampe mit Postfach-Hochschulreife“, für die eine Kreditkarte die Freiheit bedeutet, „die durch den Schlitz kommt“. Algebra mutiert zum Büstenhalter. Was fehlt, ist die blonde Perücke, obwohl Anneliese zum Schluss selbstbewusst meint: „Männer regieren die Welt, doch auch Frauen haben ihre Tage.“

Zwei Stunden Bülent Ceylan: Eine wahrlich "turbülente" Show, bei der bekannte Klischees die Kulisse bilden, die von einem sanften Macho mit entwaffnender Komik und Wortwitz niedergerissen wird.

 
 

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