„Brückstraße ist ein besonderes Biotop“

Frank Bußmann
Josef Pultuskier in der Brückstraße in Dortmund. Foto: Ralf Rottmann
Josef Pultuskier in der Brückstraße in Dortmund. Foto: Ralf Rottmann
Foto: WR-Ralf Rottmann

Dortmund. Ja, vor der schäbigen Fassade des Hauses Gerberstraße 1 hängt ein inzwischen schäbiges Transparent. Eine Diagnose, der Dr. Josef Pultuskier nicht widerspricht. Für den Münchener Immobilien-Multi ist das allerdings nur der geringste Teil der Wahrheit, wenn man sich mit ihm über seine Investitionen auf der Brückstraße und den Zustand seiner rund 20 Immobilien unterhält.

Pultuskier (66), in den letzten Wochen von Stadtdirektor Jörg Stüdemann schwer kritisiert, ist empört über diesen Tonfall der Stadtspitze. Stadt und Investor wollten doch dasselbe, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung, und letzterer müsse sich beschimpfen lassen.

Der Münchener kontert mit Zahlen: Alle renovierungsbedürftigen Fassaden seiner Brückstraßen-Häuser seien saniert worden. 10 Stück an der Zahl. Ausnahme: die Gerberstraße 1. Für die anderen ramponierten Fassaden seien andere Eigentümer zuständig.

Josef Pultuskier hat vor rund 20 Jahren begonnen, aus Insolvenzverfahren oder im Rahmen von Zwangsvollstreckungen seine ersten Immobilien, darunter das ehemalige Kopfermann-Gebäude und das Brück-Center, in der Brückstraße zu erwerben. „Von Nicht-Dortmunder Eigentümern. Und Dortmunder hatten damals kein Interesse“, blickt er zurück. „Man muss sich einmal vor Augen führen, wo wir damals standen“, sagt er. Eine Straße dominiert von Sex-Shops und Prostituierten-Unterkünften, Drogen-Szene und Kriminalität. Pultuskier: „Da haben wir doch einen Riesensprung gemacht in den letzten 20 Jahren.“

„Ich will kein Denkmal – aber auch keine Beschimpfungen“

Konzerthaus, Orchester-Zentrum - das könne sich die Stadt zu Recht ans Revers heften. Doch er habe beträchtlich mitgeholfen. „Ich will kein Denkmal“, sagt er, „aber auch keine Beschimpfungen.“

Insgesamt 60 Millionen Euro habe er investiert - in Kauf, aber auch in Renovierungen, Umbau- und Ausbaumaßnahmen. „Stadtentwicklung ist eine langfristige Aufgabe“, sagt Pultuskier an die Adresse jener, die immer mit dem Finger auf die Brückstraße zeigen. Er selbst sei weder Spekulant noch Heuschrecke, das habe er auch Stüdemann geschrieben, der ihm bislang nicht geantwortet habe. Seine Geschäftspolitik beschreibt er als Entwicklung im Bestand. „Ich bin ein Re-Developer. Wir haben in den letzten 40 Jahren noch nie ein Objekt verkauft.“

Dieser Hinweis zielt auch auf jene, die behaupten, er produziere in den oberen Geschossen seiner Immobilien absichtlich Leerstände. Aus steuerlichen Gründen. „Quatsch“, sagt Pultuskier. Diese steuerlichen Verfahren sollte man ihm mal genau nennen. „Ich jedenfalls produziere nicht gerne Verluste.“

Leerstand seit Sommer 2009 um 73 Prozent reduziert

Alle Objekte würden auf dem Markt zur Miete angeboten. „Zum Teil zu Kampfpreisen.“ Allein seit Sommer 2009 habe er den Leerstand um 73 Prozent von insgesamt 12 100 Quadratmetern durch Vermietungen um rund 8700 Quadratmeter reduzieren können. „Wenn Sie für die Straße die richtigen Mieter wollen, müssen Sie aber auch mal Geduld aufbringen; das geht nicht über Nacht.“

Die Brückstraße sei zudem einzelhandelslastig. Kaum eine Branche habe in den letzten 15 Jahren so gelitten wie der Handel. „Und trotz schlechter Rahmenbedingungen hat sich die Straße gut entwickelt. Zu uns kommen Einzelhändler, die ihre Branche kennen und hier auf ihre Käufer treffen. Die Brückstraße hat ein enormes Potenzial.“ Aber die mehr als dürftige Gastronomie...? Wieso dürftig, sie werde doch nachgefragt, sagt Pultuskier. „Wir haben hier Gastronomen, die unverändert seit mehr als zwanzig Jahren am Standort sind. Und wo es Wechsel gibt, legen wir Wert auf Vielfalt.“

Josef Pultuskier will über die Chancen reden. Über die Brückstraße als die „junge, trendige Straße“. „Warum schlägt die Stadt darauf ein?“, fragt er. „Den Westenhellweg mit seinen Filialisten gibt es überall. Aber hier gibt es ein besonderes Biotop.“ Damit „muss man angeben“.

Und die Gerberstraße 1? Im Januar habe er die Stadt Dortmund von den Plänen seiner Architekten unterrichtet, die seit Sommer 2010 in Vorbereitung seien, so Pultuskier. Stellte Sanierung der Fassade kurzfristig in Aussicht, die komplette Aufmöbelung sollte zeitnah erfolgen. „Jetzt will ich erst den Hintergrund der jüngsten Angriffe mit Oberbürgermeister Sierau klären“, sagt Josef Pultuskier. Aber dann könne es auch dort losgehen.