Brückstraße: Die Angst vor einem Rückfall in alte Zeiten

Libanesen beherrschen den Dortmunder Drogenmarkt. Sie sind im Ruhrgebiet und international sehr gut vernetzt. Jetzt versuchen sie das Brückstraßenviertel einzunehmen. Gastronomen und Geschäftsinhaber befürchten einen Rückfall in alte Zeiten, in denen der Drogenverkauf das Viertel in Verruf brachte.

Dortmund. Mit der Eröffnung des Konzerthauses kehrte im Jahr 2002 Ruhe ein. Übrig blieb ein großstadttypisches "Grundrauschen" aus Alkoholkonsum, Lärm, Diebstählen und Überfällen. Diese Störfälle liegen weit unter dem Niveau der 90er-Jahre. Damals hatte ein Einsatztrupp der Polizei in dem Viertel aufgeräumt. Jetzt ein Zeitsprung in den Juli 2015: An einem Samstagabend flüchtet ein mit zwei Messerstichen verletzter Mann in die Toilette einer Gastronomie auf der Ludwigstraße. Vor der Tür fliegen Tische, Stühle und Flaschen.

Wurfgeschoss trifft Kinderwagen

Die Wurfgeschosse treffen einen Kinderwagen. Eine Angestellte reißt ein Baby aus dem Wagen und bringt sich mit dem Baby, wie alle anderen Gäste, in Sicherheit. Schreiend und weinend stehen Gäste und Angestellte im Lokal. Den mit zwei Stichen verletzten Mann holen Polizisten aus der Toilette. Laut Polizei kann er sich nicht erklären, wie es zu den Stichwunden gekommen ist. Vorladungen zu Zeugen-Gesprächen ignoriert er genauso wie die Täter. Täter und Opfer sind aus einer anderen Ruhrgebietsstadt nach Dortmund gekommen. Aus welcher, will die Polizei nicht sagen. Diese Zurückhaltung ist ein Hinweis auf organisierte Kriminalität.

Sorgen um Existenz des Lokals

"Ich mache mir Sorgen um meine Existenz. Die Angst arbeitet hier mit", sagt eine Gastronomin über die Atmosphäre. Sie erinnert sich noch gut an den anfangs freundlich und später "diktatorisch auftretenden Herrn", der von ihr Schutzgeld verlangte. Sie weigerte sich. "Zahlst du einmal, zahlst du immer", sagt sie. "Eher würde ich meinen Laden schließen", berichtet einer ihrer Kollegen zum Thema Schutzgeld.

Dass der mit Stichen in den Rücken verletzte Mann schweigt, wundert sie nicht: "Die machen das unter sich aus." Sie und Gastronomie-Kollegen befürchten einen Rückfall in alte Zeiten. Denn die Libanesen würden mit harten Bandagen kämpfen. Das Lokal der Gastronomin ist sehr beliebt. Über den 4. Juli sagt sie: "An dem Abend waren viele Konzerthaus-Besucher da. Diese Gäste habe ich nie wieder gesehen." Gewalt und Drogenhandel hätten unmittelbar Folgen für die Umsätze. "Wir müssen aufpassen, dass es nicht schlimmer wird", sagt sie.

Kein Zusammenhang mit der Nordstadt

Die Polizei will den Bereich genauer unter die Lupe nehmen und bittet in Notfällen sofort den Notruf 110 zu wählen. Einen Zusammenhang mit einer Auseinandersetzung von Türken und Libanesen im Mai 2015 in der Nordstadt bestehe nicht.

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