Briefkasten eines Dortmunders ist seit 14 Tagen leer

Sprecher der Post wiederholen es in diesen Tagen gebetsmühlenartig: Trotz Streiks kämen 80 Prozent aller Briefe - bei den Paketen etwas weniger - pünktlich an. Die Gewerkschaft Verdi zweifelt das schon länger an. Nun berichtet der Dortmunder Peter Schulz, dass er seit 14 Tagen keine Post erhalte. Das bringt ihn in die Bredouille.

Dortmund.. Auf Anfrage heißt es bei der Post seit Tagen: 80 Prozent aller Briefe werden zugestellt. "Die Post stellt das so dar, als wäre alles Friede, Freude, Eierkuchen", sagt Peter Schulz, 58. Dabei hat der Dortmund-Holzener bis auf eine Ausnahme seit 14 Tagen keine Post erhalten. Ein Online-Händler mahne ihn schon, eine fällige Rechnung zu zahlen. Für einen Artikel, den die Post noch nicht zugestellt hat.

"Extraschicht" bei der Post am Sonntag

Auch Wolfgang Tripp, 85 Jahre, aus Aplerbeck, wartet in diesen Tagen meist vergeblich auf Post. Am Sonntag flatterte mal wieder ein Umschlag in seinen Briefkasten. Die Post hatte ja deutschlandweit Helfer mobil gemacht, die liegen gebliebene Post austrugen; analog zur Kulturveranstaltung im Ruhrgebiet gab’s sozusagen auch bei der Post eine "Extraschicht".

Von dem einen Brief abgesehen wartet Tripp seit zehn Tagen auf ein Dutzend weiterer Schreiben. Den Nachbarn gehe es genau so. Als die Lokführer streikten, so Tripp, habe es bei der Bahn immerhin einen halbwegs verlässlichen Notfallplan gegeben - bei der Post wisse man nicht, wann man wieder Briefe erhalte.

Tripp und auch Schulz wären sogar bereit, ihre Post selbst abzuholen. Das, sagt Post-Sprecher Achim Gahr, "geht leider nicht". Das System funktioniere nun mal so, dass Zusteller die Post zu den Kunden bringen. Was Leute, die seit vielen Tagen keine Post bekommen haben, tun können? Nichts, sagt Gahr. Er könne kaum glauben, dass jemand seit zehn Tagen auf Post wartet. Wenn doch, "tut uns das im Einzelfall leid".

Einige Bezirke in Dortmund werden noch nicht bestreikt

Dass unter anderem in Teilen von Holzen und Aplerbeck viele Briefkästen leer bleiben, kann Gahr nicht erklären. Die Post versuche, in allen Bezirken mit Aushilfen "die Löcher zu stopfen", die die Streikenden reißen.

Noch nicht gestreikt werde im Stadtgebiet derzeit etwa in Eving, Brechten, Asseln, Wickede und Körne, sagte gestern ein Post-Betriebsrat. Auch ihm tue es "verdammt leid" für die Kunden, leider sei der Streik aber unerlässlich. Dass die Post am Sonntag Aushilfszusteller auf Tour schickte, kritisierte er harsch.

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