Bordell im Haus: Neonazis sollen zugeschlagen haben

Diese Idee war vielleicht wirklich nicht die allerbeste: Ausgerechnet in einem als Neonazi-Szenetreff bekannten Mietshaus in Dorstfeld hat ein Bewohner im vergangenen März sein Schlafzimmer an marokkanische Prostituierte untervermietet. Die Reaktion seiner braunen Nachbarn ist nun ein Fall für das Landgericht.

Dortmund. Die beiden Angeklagten machen um ihre rechte Gesinnung kein Geheimnis. Für beide ist der Weg zum Landgericht gerade in letzter Zeit alles andere als außergewöhnlich, müssen sie sich doch zusammen mit acht weiteren Angeklagten auch im "Hirsch-Q-Prozess" vor der 31. Strafkammer verantworten.

Dass sie sich über ihren Dorstfelder Nachbarn geärgert haben, geben sie ebenfalls zu. Das habe aber mit der Nationalität der Untermieterinnen nicht das Geringste zu tun gehabt. "Es ging um die Sache an sich. Da wohnen schließlich auch viele Kinder."

Schilderungen unterscheiden sich deutlich

Doch wie genau ist ihre Reaktion damals abgelaufen? Bei der Beantwortung dieser Frage gehen die Schilderungen weit auseinander. Der betroffene Nachbar hat bei der Polizei davon berichtet, dass er zunächst mit Drohungen und Kopf-ab-Gesten eingeschüchtert und einige Tage später sogar ganz offensiv verprügelt worden sei. Die Angeklagten wollen davon jedoch nichts wissen. "Ich habe ganz normal mit ihm geredet und ihm gesagt, dass wir das nicht gut finden", sagte der mit 33 Jahren jüngere Neonazi. "Vielleicht bin ich ein bisschen lauter geworden, körperlich war da aber ganz sicher gar nichts."

In erster Instanz hatte das Amtsgericht die Angeklagten zu acht Monaten Haft auf Bewährung beziehungsweise 1200 Euro Geldstrafe (120 Tagessätze) verurteilt. Bevor die Berufungskammer ein Urteil spricht, soll auf jeden Fall der Nachbar als Zeuge vernommen werden.

Martin Braunschweig