Bombenfund - 17.000 Dortmunder werden am Sonntag evakuiert

Das ist der Fundort der Luftmine: die Baustelle auf den alten Parkplätzen neben dem Wilo-Verwaltungsgebäude in Dortmund.
Das ist der Fundort der Luftmine: die Baustelle auf den alten Parkplätzen neben dem Wilo-Verwaltungsgebäude in Dortmund.
Foto: Jörg Bauerfeld
Auf den Dortmunder Süden kommt am Sonntag eine gigantische Evakuierung zu: Wegen der Entschärfung einer 1,8-Tonnen-Luftmine aus dem Zweiten Weltkrieg müssen laut Stadt rund 17.000 Bewohner ihre Wohnungen verlassen. Die Bombe liegt auf dem Gelände des Dortmunder Pumpen-Herstellers Wilo.

Dortmund. 17.000 Menschen müssen am Sonntag im Dortmunder Vorort Hörde für die Entschärfung einer gefährlichen Luftmine ihre Häuser verlassen. Die 1,8 Tonnen schwere Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg war am Mittwoch bei Bauarbeiten auf dem Werksgelände des Pumpenherstellers Wilo gefunden worden. Das Gebiet wird am Morgen im Umkreis von 1,5 Kilometern evakuiert. Die Entschärfung soll am Mittag vorgenommen werden, teilte die Stadtverwaltung Dortmund am Donnerstag mit.

Von den Sperrungen sind eine Bundesstraße, zwei Bahnlinien, der Westfalenpark und die NRW-Erstaufnahmestelle für Asylbewerber betroffen. Rund 350 Asylbewerber sollen in die Nebenstelle nach Unna-Massen verlegt werden. Ein Gashersteller will 47 Tanklastwagen einsetzen, um gefährdete Sauerstoffvorräte in Sicherheit zu bringen. Für rund 2000 Anwohner, die nicht selbst eine Ausweichunterkunft finden, ist in der Westfalenhalle II Platz.

45.000 Menschen bei Entschärfung 2011 in Koblenz evakuiert

Vor einem Jahr mussten in einem ähnlichen Fall in Dortmund-Hombruch 20 000 Menschen die Häuser verlassen. Die Polizei will dieses Mal versuchen, Einbrüche, wie sie in Hombruch verübt wurden, zu verhindern.

Luftminen sind weitaus größer und gefährlicher als die häufig entdeckten Fünf- oder Zehn-Zentner-Fliegerbomben. In Dortmund ist es der vierte Fund. Bei einer der größten Aktionen in Deutschland waren 2011 bei der Entschärfung einer 1,8-Tonnen-Mine im Rhein bei Koblenz 45 000 Menschen betroffen.

Die Stadt Dortmund informierte bei einer Pressekonferenz Donnerstagnachmittag über die Bombenentschärfung am Sonntag. Hier der Verlauf der Pressekonferenz in der Live-Chronik:

Aktualisierung 16.32 Uhr:

Die Pressekonferenz ist vorbei. Ordnungsdezernentin Diane Jägers hat zuletzt noch die Zahl der betroffenen Bürger präzisiert: Anstatt der anfangs verbreiteten rund 20.000 Menschen leben lediglich 16.000 bis 17.000 Personen im Evakuierungsradius.

Aktualisierung 16.23 Uhr:

Wie genau die Sperrung der B54 am Sonntag aussehen wird, entscheidet sich erst am Freitag. Fest steht, dass auf jeden Fall mehrere Buslinien und die Stadtbahn-Linie U49 unterbrochen sein werden.

Aktualisierung 16.19 Uhr:

Ein Nachbar von Wilo, die Sauerstoffzerlegungs-Firma THR auf Phoenix-West, muss sich besonders auf die Entschärfung vorbereiten. Das Unternehmen lagert leicht brennbaren Sauerstoff, die das Gebäude in Brand setzen könnten. Sie müssen bis Sonntag mit 47 Tanklastzügen abtransportiert werden.


BlindgängerDer Betrieb der Flüchtlings-Erstaufnahme in Hacheney wird bis Freitagabend aufrechterhalten. Am Samstag werden die 350 Asylbewerber dann von dort in die Flüchtlings-Einrichtung Unna-Massen verlegt, das dafür extra geräumt wird. Asylbewerber, die Sonntag in Dortmund ankommen, müssen in die Westfalenhallen.

Aktualisierung 15.49 Uhr:

Für die evakuierten Bürger wird in der Westfalenhalle 2 eine Notunterkunft aufgebaut. Betroffen von der Evakuierung ist auch der Westfalenpark. Er bleibt am Sonntag geschlossen, genauso der Zoo und der Rombergpark. Auch die Flüchtlings-Erstaufnahme in Hacheney muss komplett geräumt werden. In einem Luftzerleger-Betrieb in Evakuierungsradius müssen alle Gefahrstoffe bis Sonntagmorgen beseitigt werden.


Die Luftmine, die im Zweiten Weltkrieg dazu diente, Häuserdächer zu zerstören, um den Weg für Brandbomben freizumachen, ist laut Angaben der Stadt derzeit gesichert. Von ihr gehe keine Gefahr aus, was auch der Grund dafür ist, dass die Bombe erst am Sonntag entschärft ist.


Das Ordnungsamt und die Polizei werden ab Sonntag, 9 Uhr, kontrollieren, ob tatsächlich alle Wohnungen im Evakuierungsradius leer sind. Erst dann kann mit der Entschärfung begonnen werden. Laut Ordnungsdezernentin Diane Jägers sind 2000 Menschen rund um die Evakuierung im Einsatz.

Aktualisierung 15.39 Uhr:

Nun steht auch der Zeitpunkt der Evakuierung fest: Rund 20.000 Dortmunder müssen bis Sonntag, 9 Uhr, ihre Wohnungen verlassen. Bei der Bombe handelt es sich um den baugleichen Typ der Luftmine, die im November 2013 in Hombruch entschärft wurde. Es ist eine britische 1,8 Tonnen schwere Luftmine mit 1,5 Tonnen TNT-Sprengstoff. Sie wird voraussichtlich Sonntagmittag entschärft werden.

Aktualisierung 15.05 Uhr:

Knapp 40 Minuten vor Beginn der Pressekonferenz haben wir neue Details zum Fundort der Bombe: Sie liegt unter den alten Parkplätzen östlich des Wilo-Hauptgebäudes. Dort baut der international tätige Pumpenhersteller derzeit neue Fabrikhallen.

Wie unsere Redaktion erfuhr, wird der Evakuierungsradius voraussichtlich 1500 Meter rund um den Fundort betragen. Da normalerweise die Grundformel gilt, pro Kilo Sprengstoff einen Meter Sicherheitsabstand zu berechnen, ist von einer Luftmine mit rund 1,5 Tonnen Sprengstoff auszugehen.

Nach Informationen unserer Redaktion müssen Teile des Bethanien-Krankenhauses im Hörder Zentrum evakuiert werden, der Trakt zur Wellinghofer Straße hinaus. Die betroffenen Patienten können jedoch in anderen Teilen des Krankenhauses untergebracht werden.

Ebenfalls voraussichtlich betroffen sein werden unter anderem die B54, die Flüchtlings-Erstaufnahme in Hacheney und eine Fabrik für technische Gase auf Phoenix-West. Besonders heikel dort: In den Lagern der Fabrik befinden sich entzündbare Gase.

Mitarbeiter erhielten interne Mitteilung 

Aktualisierung 13.04 Uhr:

Die Bombe liegt nach Informationen der Redaktion auf dem Betriebsgelände des Dortmunder Pumpen-Herstellers Wilo an der Nortkirchenstraße in Hörde. Die Mitarbeiter des Unternehmens wurden bereits in einer internen Mitteilung über den Fund informiert.

Seltener Blindgänger

Es waren nicht viel Informationen, die die Stadt Dortmund in einer kurzen Presseerklärung am Donnerstag um Punkt 11 Uhr verschickte: Im Zuge von Baumaßnahmen sei auf "bewohntem Stadtgebiet" ein "seltener Bombenblindgänger" aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Alles Weitere will die Stadt Dortmund gebündelt in einer Pressekonferenz im Rathaus um 15.45 Uhr bekannt geben. Viele Informationen könnten erst im Laufe des heutigen Tages zusammengetragen und Abläufe koordiniert werden.

Die Einladung zur Pressekonferenz trägt jedoch den Titel "Luftmine in Hörde", sodass davon auszugehen ist, dass die Bombe dort gefunden worden ist.

Erinnerungen an größte Evakuierung der Dortmunder Nachkriegsgeschichte

Noch gibt es zwar keinerlei Details über den Fundort oder die Größe der Bombe, doch allein das Wort Luftmine weckt unweigerlich Erinnerungen an die größte Evakuierung der Dortmunder Nachkriegsgeschichte im November 2013.

Damals mussten wegen der Entschärfung einer 1800-Kilo-Luftmine rund 20.000 Dortmunder ihre Wohnungen verlassen. Und auch damals sprach die Stadt in ihrer ersten Bekanntgabe von einem "außergewöhnlichen Bombenfund". (mit dpa)

 
 

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