Blutiger Höhepunkt einer jahrelangen Familienfehde

Der blutige Höhepunkt einer jahrelangen Familienfehde beschäftigt das Schwurgericht: Zwei Brüder des einen Clans sollen mit einem Radschlüssel und einem Messer zwei Brüder der anderen Familie erheblich verletzt haben. Die Staatsanwaltschaft geht von versuchtem Totschlag aus.

Dortmund. Als Kinder, das ist mehr als 20 Jahre her, sind die vier Männer zusammen in einem Haus aufgewachsen. Inzwischen haben die beiden Familien ein schlechtes Verhältnis zueinander – warum, wusste gestern im Schwurgericht weder das eine noch das andere Lager. Klar ist: Am 27.Juni dieses Jahres traf man sich zufällig an der Autowaschanlage Burgholzstraße. Kurz darauf floss Blut.

Versuchter Totschlag wirft Staatsanwältin Barbara Cuntze zwei 29 und 31 Jahre alten Brüdern des einen Clans vor. Die Opfer: Zwei Brüder, 34 und 36 Jahre alt, aus der anderen Familie. Der eine Angeklagte soll ein Werkzeug, ein Radschlüssel, aus dem Kofferraum des Mercedes geholt und damit zugeschlagen haben, der andere griff laut Anklage zum Messer. Was die beiden durch ihre Verteidigung im Prinzip auch zugeben.

Verteidiger gaben eine Erklärung ab

Allerdings, so las Rechtsanwalt Matthias Meier stellvertretend für seinen Mandanten in einer Erklärung vor, seien es die anderen gewesen, die das Messer mitgeführt hätten. „Bei der Prügelei habe ich es Mehmet abgenommen. Ich weiß gar nicht, wie oft ich zugestochen habe. Ich bedaure mein Verhalten und entschuldige mich ganz deutlich.“ Und Verteidigerin Ina Klimpke sagte stellvertretend für den anderen Angeklagten, man habe aus Wut über wüste Beleidigungen zugeschlagen. Nachfragen wollten die beiden Angeklagten zum Prozessauftakt noch nicht beantworten.

Verfeindete Familie an der Autowaschanlage entdeckt

Am Nachmittag des 27. Juni fuhren die später verletzten Brüder des anderen Clans mit ihrem Pritschenwagen über die Burgholzstraße. Und entdeckten dort an der Autowaschanlage den Mercedes der verfeindeten Familie. Wer wem aus dem offenen Fenster zuerst was zurief, bleibe dahingestellt. Jedenfalls kam man überein, etwas „klären zu wollen“, wie es das spätere Opfer nannte. Der Mercedes, halb gewaschen, kurvte auf die Burgholzstraße, nach wenigen Metern hielt dort auch der Pritschenwagen.

„Wir haben uns geprügelt, auf einmal blutete mein Bruder“

„Wir haben uns geprügelt, auf einmal blutete mein Bruder, ich später auch“ so eines der Opfer. Dass sie es waren, die das Messer mitgeführt hätten, sei „Lüge“. Beide wurden durch Stiche in Brust, Bauch und Gesicht erheblich verletzt. Bis heute kann einer die Augenbraue nicht hochziehen, weil der Nerv durch den Messerstich zerstört wurde. Sein Bruder wird sein Leben lang durch eine Narbe auf der Stirn an das unglückselige Zusammentreffen erinnert.

Anwalt fordert Schmerzensgeld

Rechtsanwalt Ulrich Bambor, der die Interessen der beiden vertritt, beantragte für seine Mandanten 8000 bzw 9000 Euro Schmerzensgeld. Eine Oberärztin des Klinikum Nord erklärte, akute Lebensgefahr habe nur deshalb nicht bestanden, weil beide unmittelbar in dem nahe gelegenem Krankenhaus behandelt werden konnten. Doch durch die Gefahr einer Infektion – so drangen bei einem Opfer Keime des durch Messerstiche verletzten Darms in den Bauchraum – sei die Verletzung durchaus lebensbedrohlich gewesen. Der Prozess geht weiter.

 
 

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