Biosprit E10 läuft an Tankstellen in Dortmund weiter schlecht

Dortmund. Wie steht’s eigentlich um den neuen Kraftstoff E10? Nach wochenlangen Diskussionen ist es still geworden um den sogenannten „Bio-Sprit“. In Dortmund und anderswo etabliert sich E10 nur sehr schleppend.

„Super 95 E10“ – so der offizielle Name des neuen Kraftstoffes, der vor einem halben Jahr eingeführt wurde. An Dortmunder Tankstellen tauchte er bislang aber fast gar nicht auf. Das ändert sich jetzt. Durch die ersten Zapfsäulen fließt E10 mittlerweile, einige Tankstellen werden zurzeit umgestellt, der Großteil voraussichtlich ab September.

Grund für die Verspätung ist der schlechte Ruf, der dem sogenannten Biosprit vorauseilt. „Weil die Kunden den Kraftstoff nicht angenommen haben, haben wir die Einführung erstmal gestoppt“, erklärt Detlef Brandenburg, Sprecher beim Marktführer Aral, der zum BP Konzern gehört. Der wiederum leitet die Ruhr Oel-Erdölraffinerien in Gelsenkirchen, die bislang kein E10 hergestellt hatten. Gleiches gilt für die Rheinland-Raffinerie von Shell in Köln. Auch Shell hatte die Einführung zunächst gestoppt.

Deshalb boten auch die anderen Mineralölunternehmen den Kraftstoff im Ruhrgebiet nicht an. „Wir sind abhängig von der Raffinerieumstellung“, erklärt Burkhard Reuss, Sprecher von Total. Es mache keinen Sinn, Lastwagen quer durch Deutschland zu schicken. Total habe eine eigene Raffinerie in Sachsen-Anhalt. Die überschüssige Produktion werde verkauft, dafür würde an anderen Standorten Kraftstoff hinzugekauft.

„Super 95“ soll es auch weiterhin geben

Dem Vorhaben von Aral, die übrigen 1200 Tankstellen von insgesamt 2500 in Deutschland ab August umzurüsten, folgen nun auch andere. Das herkömmliche Super soll es weiterhin geben. Aral hat in NRW im nördlichen Teil begonnen. Die eigene Raffinerie in Lingen produziert bereits E10. Gelsenkirchen soll im September mit der Produktion starten. Den genauen Zeitpunkt der Umstellung in Dortmund will Aral nicht bekannt geben. Shell-Sprecher Axel Pommeränke formuliert ebenso nebulös: „Wir beobachten den Markt.“ Die Hälfte der Shell-Tankstellen in Deutschland biete E10. Man warte ab, wie sich die Nachfrage entwickele.

Sowohl Shell als auch Aral geben an, dass dort, wo bereits umgerüstet wurde, der Anteil von E10 am verkauften Otto-Kraftstoff etwa 30 Prozent sei. „Das ist nicht die Menge, die wir erhofft hatten“, sagt Pommeränke. Die Konzerne wollten zu 90 Prozent E10 verkaufen.

In Dortmund läuft der E10-Verkauf schleppend

In Dortmund läuft der Verkauf erwartungsgemäß schleppend an. Stefan Jung von der Westfalen AG zählt, dass gerade einmal 5,4 Prozent des verkauften Otto-Benzins auf E10 entfielen. Drei Dortmunder Tankstellen hat Westfalen am 11. und 12. August umgestellt. Die restlichen folgen in den nächsten Tagen. Der Kraftstoff kommt aus Lingen. „Die Leute wissen zwar jetzt, dass die Motoren nicht sofort zusammenbrechen, sind aber trotzdem zögerlich“, meint Jung. Drei Cent liege E10 unter dem Super-Preis. Ein Anreiz – allerdings ist der Verbrauch auch „zwei bis drei Prozent höher“.

Tankstellen-Pächter Jürgen Schröder glaubt, dass zu viel Wirbel um den neuen Kraftstoff gemacht worden ist. „Als bei Diesel der Bioanteil von drei auf sieben Prozent erhöht wurde, hat kein Hahn danach gekräht“, sagt er. Seine Bavaria-Tankstelle an der Evinger Straße wird im September umgerüstet. Das normale Benzin fällt weg, stattdessen gibt’s E10 sowie wie bisher Super und Super plus. Eine dicke Mappe wartet darauf, dass sich Kunden darüber informieren, ob ihr Auto E10 verträgt. Die Nachfrage hält sich bei Schröder in Grenzen. „Die Leute sind schon ziemlich voreingenommen“, sagt er.

 
 

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