Bibliothek kämpft mit Einsparungen

Das Leitungsteam der Stadt- und Landesbibliothek Petra Grübner (Stellvertreterin) und Ulrich Moeske (Leiter).Foto: Franz Luthe
Das Leitungsteam der Stadt- und Landesbibliothek Petra Grübner (Stellvertreterin) und Ulrich Moeske (Leiter).Foto: Franz Luthe
Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund.. „Wir sind nach Borussia die zweitbest besuchte Einrichtung der Stadt“, sagt Leiter Ulrich Moeske über die Stadt- und Landesbibliothek. Trotzdem bewahrt das die Einrichtung mitsamt ihren Zweigstellen in den Stadtteilen nicht davor, ihren Anteil zu den Einsparungen städtischer Zuschüsse für die Kulturbetriebe zu leisten (siehe Box). Drohende Konsequenzen: Weniger Bestand, weniger Personal, mehr Ehrenamtliche und mehr Leistung durch die Nutzer selbst.

„Es ist mühsam und nicht schön, aber notwendig“, so Ulrich Moeske. Mit der Bedrohung, das Stadtteilbibliotheken schließen müssten, lebe er zwar schon seit seinem Amtsantritt 1981. „Aber die Bedrohung ist im Moment doch etwas ernster und macht uns Kummer“, ergänzt Stellvertreterin Petra Grübner. An Schließungen glauben beide nicht - sehr wohl aber an verstärkten Einsatz Ehrenamtlicher in den Stadtteilen und der Zentralbibliothek.

„Die Engpässe sind so enorm, dass wir sehr unter Druck stehen“, sagt Grübner und lobt die Motivation der Mitarbeiter. Die aber wird nicht alles auffangen können: Gerade angesichts der hohen Altersstruktur rechnet Moeske mit 14 Planstellen weniger 2012. „Wir sind nicht verzweifelt. Aber wenn die Decke so dünn ist, geht es denen schlechter, die tapfer durchhalten.“ Neben dem Einsatz von Ehrenamtlichen ist eine Konsequenz, das System von Ausleihe und Abgabe umzustellen: In die Medien werden „RFIDs“ eingeklebt - Codes, mit denen der Nutzer durch Scannen Bücher & Co zurückgeben oder entleihen kann. Zudem kann der Bestandsaufbau nicht mehr so vorangetrieben werden, wie bislang - so dass es nur noch ein Exemplar relevanter Literatur gebe, wo es zuvor etwa fünf waren.

Mut machen Grübner und Moeske allerdings andere Fakten: Zwar sank die Zahl der Entleihungen von Januar bis Juli 2010leicht auf 1,26 Millionen im Vergleich zum letzten Jahr - die Zahl der Besucher aber stieg leicht um 4000 auf 443 748. „Man scheint uns zu mögen und zu brauchen“, sagt Petra Grübner.

Mehr Bildschirme

Die Nutzung elektronischer Medien steige - ohne die klassischen abzulösen: Das Verhältnis liege bei etwa 50:50. Gerade bei Technik, Naturwissenschaften und Medizin boome die elektronische Literatur - in Bereichen, in denen schnelle Aktualisierungen nötig sind. Während Kinder- und Jugendliteratur, Religion oder Philosophie noch hinterherhinkten. Mit Leseausweis und PIN können Nutzer von zu Hause zum Beispiel Fachdatenbanken durchforsten und Artikel herunterladen. Der Bereich e-books (elektronische Bücher) ist gerade - auch wegen schwieriger Urheberrechtsfragen - im Aufbau: 3000 hat Dortmund im Angebot.

Trotzdem rechnet Moeske nicht mit einer verwaisten Bibliothek: „Die Anzahl der Bildschirme wird steigen, die der Bücher sinken“, prognostiziert er, „aber wir sind ein Ort der Kommunikation.“ Der in die Stadt wirkt: So baut die Bibliothek Selbstlernzentren in Schulen auf (mitsamt Gratisausweisen) und plant, die Leseausweise der TU Studierenden auch in den städtischen Bücherhorten anzuerkennen.

 
 

EURE FAVORITEN