Beweisvideo mit Erlaubnis der Staatsanwaltschaft geschnitten?

Im Prozess um den Neonazi-Angriff auf die linke Szene-Kneipe Hirsch Q stehen schwere Vorwürfe gegen die Dortmunder Staatsanwaltschaft im Raum. Angeblich hat die Behörde erlaubt, ein wichtiges Beweisvideo zu manipulieren. Jetzt soll eine Ex-Oberstaatsanwältin in den Zeugenstand.

Dortmund. Angeblich hat die inzwischen nicht mehr in Dortmund aktive Oberstaatsanwältin dem Betreiber der Gaststätte nach der Massenschlägerei erlaubt, das Video der Überwachungskamera nach seinem Gutdünken zu schneiden und erst dann an die Ermittlungsbehörden zu geben. Das behauptet jedenfalls der Wirt.

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Am Montag soll die Beamtin als Zeugin vor dem Landgericht aussagen. Aktuell will die Staatsanwaltschaft keine Stellungnahme abgeben.
Sollten sich die Behauptungen des Kneipen-Betreibers als wahr herausstellen, müsste sich die Staatsanwaltschaft unangenehme Fragen gefallen lassen. In den Akten finden sichnämlich keinerlei Hinweise darauf, dass der Wirt mit der Staatsanwaltschaft besprochen haben könnte, er wolle das Video schneiden, um die Identität seiner Gäste zu schützen. Auch von einer erteilten Erlaubnis ist offenbar an keiner Stelle in den Akten die Rede.

Komplett-Version liegt dem Richter vor

Tatsache ist, dass den Richtern inzwischen die Komplett-Version der Überwachungs-Videos vorliegt. Ob diese möglicherweise einen gänzlich anderen Tathergang zeigen, ist bisher nicht bekannt. Die zehn Angeklagten behaupten seit Prozessbeginn, dass der Angriff in der Nacht des 12. Dezember 2010 gar nicht von ihnen, sondern aus der "Hirsch Q" heraus erfolgt sei.

Von Martin von Braunschweig