Bewegende Gedenkfeier für NSU-Opfer Mehmet Kubasik

Gedenkstein für NSU-Opfer Mehmet Kubasik in Dortmund enthüllt
Gedenkstein für NSU-Opfer Mehmet Kubasik in Dortmund enthüllt
Die Stadt Dortmund hat mit einer emotionalenen Feier einen Gedenkstein für Mehmet Kubasik enthüllt, der am 4. April 2006 von den Terroristen der rechtsradikalen Gruppe NSU ermordet worden war.

Dortmund.. In einer sehr emotionalen Feier ist gestern Mittag der Gedenkstein für den ermordeten Mehmet Kubasik enthüllt worden. „Dieser Mord an Mehmet Kubasik richtet sich gegen uns alle“, betont OB Ullrich mit zittriger Stimme vor Ort an der Mallinckrodtsraße 190. „Denn er war einer von uns.“ Am 4. April 2006 war der Familienvater in seinem Kiosk von Mitgliedern der NSU-Terrorzelle erschossen worden.

In Tränen aufgelöst Mehmet Kubasiks Witwe Elif, seine Tochter Gamze, die bisher einen großen Bogen um den Kiosk gemacht hatten, in dem sich seit einigen Jahren eine Teestube befindet. Zu groß war und ist der Schmerz auch sechs Jahre nach der menschenverachtenden Tat. Freunde und Angehörige, aber auch viele Bürger geben der Familie an diesem Tag Halt. „Als betroffene Stadt und Stadtgesellschaft haben wir hier eine besondere Verantwortung“, erklärt OB Sierau.

Daher begrüße er ausdrücklich die Initiative, dem Dortmunder Opfer der Neonazi-Mordserie, Mehmet Kubasik, diesen Ort der Erinnerung zu widmen. Es mache ihn, genauso wie viele andere Menschen sehr betroffen, dass die Morde über viel zu lange Zeit nicht als Straftaten rechtsextremer Terroristen erkannt worden seien. Es habe viel zu lange Ermittlungsfehler geben und zudem sei die Familie falschen Anschuldigungen ausgesetzt gewesen. „Für ganz Dortmund wünsche ich mir weiterhin viel Erfolg im Kampf für Demokratie, Vielfalt und Toleranz. Dazu sind wir auch in Gedenken an Mehmet Kubasik verpflichtet“, sagt Sierau.

„Das darf nie wieder passieren“, fordert die türkische Generalkonsulin Sule Özkaya. Auf Bundesebene müsse man den Kampf gegen den Rechtsextremismus verschärfen und solche Vorfälle niemals runterspielen. Leider habe auch der Staat wenig gegen die systematische Ermordung der türkischen Mitbürger getan. „Das hat Spuren in der türkischen Bevölkerung hinterlassen“, erklärt Sule Özkaya. Diese seien nur schwer einzuschätzen. Aber Eltern hätten Angst um ihre Kinder, wenn diese zur Schule gehen, Angst, dass sie von Rechtsextremen überwacht werden. Sie hoffte, dass die Hintergründe der NSU-Gräueltaten in kürzester Zeit aufgeklärt werden. „Ein Trost ist“, so richtete sie ein paar Worte an Kubasiks, „dass ihre Familie zusammengehalten hat.“

„Diese schreckliche Tat ist mitten in der Nordstadt geschehen“, so Bezirksbürgermeister Siegfried Böcker. „Mit diesem Gedenkstein bewahren wir Mehmet Kubasik ein ehrendes Andenken.“ Die Bezirksvertretung Innenstadt-Nord hat beschlossen, die Patenschaft für den 50 x 50 cm großen Granitstein zu übernehmen. Auf ihm steht: „Zum Gedenken an Mehmet Kubasik. Ermordet am 4. April 2006 durch rechtsextreme Gewalttäter.“

 
 

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