Bergschäden in Dortmund durch Bergbau-Arbeit unter Tage

Kumpel und Kohle, Schächte und Fördertürme, Zechen und Bergbau: Ende der 80er nimmt Dortmund Abschied von der Arbeit unter Tage. Zurück bleiben Bergschäden. Foto: Knut Vahlensieck
Kumpel und Kohle, Schächte und Fördertürme, Zechen und Bergbau: Ende der 80er nimmt Dortmund Abschied von der Arbeit unter Tage. Zurück bleiben Bergschäden. Foto: Knut Vahlensieck
Foto: WR Dortmund/Knut Vahlensieck

Dortmund.. Kumpel und Kohle, Schächte und Fördertürme, Zechen und Bergbau unter Tage: Ende der 80er nimmt Dortmund Abschied von seiner Bergbau-Tradition. Zurück bleiben Bergschäden — sogenannte Ewigkeitsschäden. Über Tage arbeitet der Bergbau weiter. Millimeter für Millimeter. Ungewollt. Die Zeche dafür zahlt noch heute mancher Hausbesitzer. Oder eben der Bergbau.

Alfred Becker spricht aus eigener Erfahrung. Das Haus, in dem heute die IBHG, die Interessengemeinschaft bergbaubeeinträchtigter Haus- und Grundeigentümer e.V. sitzt, die Nummer 340 in der Evinger Straße, ist eines dieser Häuser, an denen die Maloche im Pütt Spuren hinterlassen hatte. Wo 1000 Meter unter Tage Erde bewegt wurde, bewegte sie sich auch über Tage. Und mit ihr jedes Haus.

Da, wo die Kohle aus dem Berg gebuddelt wurde, veränderte sich der Untergrund. Das Deckgebirge über den Hohlräumen brach ein. Es entstanden sogenannte Senkungsmulden. Die kann Becker quasi vor der eigenen Haustür „erfahren“: „Früher war die Evinger Straße bis zum Fredenbaum schnurgerade“.

Ewigkeitsschäden

Die Häuser in diesen Bereichen – „Halb Dortmund ist unterhöhlt“ – wurden gezerrt, gestaucht, gepresst... Bei manchen riss die Außenhaut, andere gerieten in Schieflage. Und es ist falsch, in der Vergangenheit zu sprechen. Da, wo der Pütt die Pumpen abgestellt hat, fluten die alten Flöze. Über Jahrzehnte steigt das Wasser, steigt der Druck, folgt dem Senken das Heben. Nicht umsonst heißen sie „Ewigkeitsschäden“, diese Bergschäden.

Der IBHG ist deshalb ein Verein mit Zukunft, hervorgegangen aus einem Ingenieursbüro für Vermessungstechnik. Ein Verein, der seine Mitglieder bei Bergschäden berät und vertritt. Der Schadensersatz für sie einfordert. Im letzten Jahr zum Beispiel 1,1 Millionen Euro allein für einen SB-Markt. 1500 Mitglieder hat der IBHG in den letzten 25 Jahren um sich gesammelt – Privatleute, Wohnungsbaugesellschaften, Kirchen, Unternehmen. Und dafür gesorgt, dass deren Häuser repariert oder auch wieder gerade gerückt wurden.

Das gelingt oft genug nur mit hohem Aufwand: Wenn ein Haus unterm Fundament angehoben werden muss, kostet das durchaus soviel wie ein halber Neubau. Dabei errechnen sich Bergschäden in Millimetern: Ab 25 davon pro Meter Schieflage wackelt die Statik. Nicht zu retten war deshalb ein Haus in Brechten. 48 mm/m Schieflage – Rundeisen umklammerten das Gemäuer; im Schlafzimmer, erinnert sich Becker, stützten Stempel die Decke. Fazit: Abriss und Neubau. Hier kostete die Kohle nochmal richtig Kohle..

 
 

EURE FAVORITEN