Beleidigung Sarrazins kostet Politiker 1500 Euro

Helmut Manz von der Linken musste sich wegen wegen einer Beleidigung Sarrazins vor dem Dortmunder Amtsgericht verantworten. Fotos: Knut Vahlensieck
Helmut Manz von der Linken musste sich wegen wegen einer Beleidigung Sarrazins vor dem Dortmunder Amtsgericht verantworten. Fotos: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.. Das böse Wort „Arsch“ sagt man nicht ungestraft – es wird immer teuer. Auch, wenn der Beschimpfte in seiner eigenen Wortwahl nicht zimperlich ist. Diese Erfahrung machte Helmut Manz, Landessprecher der Linken und stellvertretender Bezirksbürgermeister Innenstadt-Nord, gestern im Amtsgericht: Wegen Beleidigung des umstrittenen Buchautors Thilo Sarrazin muss der Linke 1500 Euro Geldstrafe zahlen, so lautete das Urteil.

Rund 60 Demonstranten der linken Szene waren am Nachmittag des 7. Oktober letzten Jahres vor dem Haus der Unternehmensverbände an der Prinz-Friedrich-Karl-Straße zusammengekommen. Und während drinnen Thilo Sarrazin über „Steuerquoten“ referierte, hielt Helmut Manz draußen per Lautsprecher einen ganz anderen Vortrag gegen den Ex-Bundesbank-Vorstand, der durch ausländerfeindlichen Parolen in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ für Diskussionsstoff gesorgt hatte.

Doch dass Manz am Ende der Rede Thilo Sarrazin mit „Der Arsch“ bezeichnet hat, was zwei Polizeibeamten des Staatsschutzes deutlich hörten, wies Helmut Manz ebenso empört wie wortreich von sich: Seine etwas ungewöhnliche Argumentation: Ich würde Herrn Dr. Sarrazin niemals als Arsch bezeichnen, das ist unangebracht, verharmlosend und bagatellisierend.“ In der Nordstadt, dort, wo er als stellvertretender Bürgermeister auch selbst lebe, „da ist das fast eine normale Anrede“.

„Ich hab Fascho gesagt, und nichts anderes“

Jene Leute würde er doch nie auf eine Stufe mit einem „Faschisten“ stellen: „Ich habe wohl Fascho gesagt, deshalb kann mich Herr Dr. Sarrazin auch gerne verklagen.“ Das Wort „Fascho“ sei auch viel treffender: „Meine Rede war gegen die Banalisierung von Faschismus gerichtet.“

Doch die beiden Staatsschutz-Beamten schüttelten da nur den Kopf: „Es mag sein, dass Sie zusätzlich Fascho sagten. Hellhörig geworden bin ich aber bei dem anderen Wort. Und ich habe mich garantiert nicht verhört“, so der Zeuge, der direkt neben dem Lautsprecher stand.

Da nutzte es auch nichts, dass Verteidiger Wilhelm Achenpöhler – er hatte Freispruch für Helmut Manz gefordert – gleich mehrere Fälle auflistete, in denen Thilo Sarrazin seine Gesprächspartner mit jenem bösen Wort bedacht hatte. „Für Sarrazin ist das ein regelrechtes Geschäft. Und wer austeilt, muss auch einstecken können.“ Wie dem auch sei: „Jeder hat das Recht, sich gegen eine solche Beleidigung zu wehren“, sagte Amtsrichter Kiskämper. Helmut Manz will jetzt in Berufung ziehen.

 
 

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