Beate Zschäpes Dortmunder Brieffreund schoss Tunesier bei Überfall an

Robin S., der Dortmunder Brieffreund von Beate Zschäpe, sitzt seit 2007 im Gefängnis.
Robin S., der Dortmunder Brieffreund von Beate Zschäpe, sitzt seit 2007 im Gefängnis.
Foto: Werner von Braunschweig
Er ist der neue Brieffreund von Beate Zschäpe: der Dortmunder Neonazi Robin S. Ganze 26 Seiten schrieb die mutmaßlichen NSU-Terroristin ihm aus der Untersuchungshaft. Doch wer ist Robin S.? Die Vorgeschichte einer seltsamen Beziehung.

Dortmund.. Denn S. sitzt selbst hinter Gittern. S. wurde am 27. August 2007 vom Dortmunder Landgericht zu acht Jahren Haft verurteilt. Sechs Monate zuvor hatte er in Brechten die Plus-Filiale überfallen und dabei den tunesischen Kunden Mustapha R. angeschossen.

Kurz vor Ladenschluss war der Neonazi vor dem Geschäft erschienen und hatte den letzten Kunden ins Innere gedrängt. Weil die beiden Verkäuferinnen nach hinten flüchteten, forderte S. die Geldbörse des Kunden. Es kam zu einem Gerangel, schließlich feuerte der Angreifer vier Schüsse auf den Tunesier ab.

Er traf Arm, Bein und die Lunge. Kurz vor der Tat hatte S. seiner Freundin eine SMS geschrieben. Darin hieß es sinngemäß: "Ich mache heute was, wovon du morgen in der Zeitung liest."

Kumpel war beim Verfassungsschutz

Ein pikanter Zufallsfund in den Akten brachte seine eigentliche Verteidigungsstrategie - abwarten und schweigen - zum Einsturz. Verteidiger Andr Picker stieß über mitgeschnittene Telefongespräche darauf, dass der beste Freund des Neonazis als V-Mann für den Verfassungsschutz arbeitete.

Als S. erfuhr, dass sein Kumpel Sebastian S. ihn ausspioniert hatte, gestand er den Raubüberfall und bezichtigte Sebastian S. als Anstifter. Der V-Mann habe die Waffe besorgt und ihn wegen eines vermasselten Drogengeschäftes zu der Tat gezwungen. In einem späteren Prozess konnte dieser Beweis aber nicht erbracht werden.

S. hatte nichts mit Nationalem Widerstand zu tun

Doch welche Rolle spielte die politische Gesinnung von Robin S. bei der Tat? Der Täter ein Rechtsextremer, das Opfer tunesischer Staatsbürger - klar, dass da Fragen aufkamen. Die Richter konnten ein politisches Motiv allerdings nicht erkennen. "Es ging ihm nur ums Geld", hieß es in der Urteilsbegründung.

Robin S. gilt als Krimineller mit rechtsextremistischer Gesinnung. Mit dem verbotenen Nationalen Widerstand hatte er nichts zu tun. Während der U-Haft wurde indes ein Brief abgefangen, in dem S. sein Opfer massiv beleidigte.

Gab es NSU-Helfer in Dortmund?

Der Briefwechsel zwischen ihm und Zschäpe wirft nun die Frage auf, ob es eine Zusammenarbeit zwischen der Terrorzelle und Dortmunder Nazis gab.

Die Generalbundesanwaltschaft prüft dies nun. Bisher waren die Ankläger davon ausgegangen, dass die Terrorzelle 2006 ohne Hilfe von außen den Mord an Mehmet Kubasik an der Mallinckrodtstraße vorbereitet hat.

In dem Brief erwähnt Zschäpe, dass sie den Dortmunder Neonazi erst zwei Monate kenne. In einem Schreiben des Düsseldorfer Innenministeriums an die Bundesanwaltschaft heißt es jedoch, der "außergewöhnliche" Briefverkehr könne Anhaltspunkte dafür geben, dass sich die beiden bereits vorher kannten.

 

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