Bauherren müssen Finanzprobleme der IBG Haus ausbaden

Rohbau von Rüdiger Volkmann (Name geändert) - seit Juli tut sich nichts: "Ich bin maßlos enttäuscht."
Rohbau von Rüdiger Volkmann (Name geändert) - seit Juli tut sich nichts: "Ich bin maßlos enttäuscht."
Foto: Iris-MEDIEN
Häuser werden schon im Rohbau zu Ruinen, neue Eigenheime sind von Schimmel befallen - und die Bauherren haben schon an die IBG Haus, einen der größten Bauträger Deutschlands, gezahlt. Viele der Betroffenen werden einen Teil ihres Geldes wohl abschreiben müssen und sind entsprechend wütend.

Essen/Dortmund/Witten.. Eine der größten Bauträgergesellschaften in Deutschland, die IBG Haus, ist in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Hunderte von Bauherren, davon viele in NRW, sind betroffen. Obwohl sie hohe Anzahlungen und Abschläge für den Hausbau bezahlt haben, wurde bei ihnen bislang nicht mit dem Bau begonnen, wurden angefangene Bauten nicht fertiggestellt oder gravierende Mängel nicht beseitigt.

Jetzt kündigen zahlreiche Bauherren, die sich miteinander vernetzt haben, Strafanzeigen wegen Insolvenzverschleppung an. Eine erste ist am Freitag bei der Kieler Staatsanwaltschaft eingegangen. Die dortige Wirtschaftsstrafkammer prüft, Ermittlungen aufzunehmen. „Die Vorwürfe sind sehr detailliert dargelegt“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Derweil beteuert das Unternehmen, dessen Holding bei Kiel angesiedelt ist und deren NRW-Tochtergesellschaft in Essen sitzt, dass „aktuell keine Insolvenz“ droht. Es stünden Verhandlungen mit möglichen Partnern an, „um das Unternehmen wieder in das sichere Fahrwasser zu führen.“ Der Bauherrenschutzbund (BSB) hält die Dimension der Probleme für außergewöhnlich groß.

Rüdiger Volkmann* (41) ist fertig mit den Nerven. Seit wenigen Tagen ist für den Informatiker aus Dortmund klar: Rund die Hälfte von den 90.000 Euro, die er der Bauträgergesellschaft IBG Haus NRW überwiesen hat, muss er abschreiben. Seit Monaten findet sich kein Handwerker mehr, der an seinem Haus weiterarbeitet, wenn die IBG im Boot ist. So wie Volkmann geht es allein in Dortmund Dutzenden Bauherren, bundesweit geht ein Kenner von 640 Bauherren aus.

Ein Desaster für Häuslebauer

Für die privaten Häuslebauer ist das ein Desaster: In Internetforen und auf Facebook berichten sie von Häusern, die schon im Rohbau zu Ruinen wurden. Von Eigenheimen, in die beim Einzug voller Schimmel waren. Von Familien, die bei Freunden im Keller wohnen, weil sie ihre Wohnung in der Hoffnung auf fristgerechte Fertigstellung ihres Hauses kündigten.

Im Dezember 2010 hatte Rüdiger Volkmann einen Bauvertrag mit der IBG für ein Haus in Witten abgeschlossen. Im Februar darauf wurden die Pläne fertiggestellt, und damit die erste der Zahlungen an den Bauträger ausgelöst: Über 25.000 Euro. „Solch eine Summe für eine Planung von der Stange – das ist deutlich überhöht“, kritisiert Peter Mauel, Vorsitzender des Bauherrenschutzbundes (BSB).

Seine Organisation hat seit 2011 in immer größerem Umfang mit Bauherren zu tun, die mit der IBG Probleme haben. „Der Klassiker dort ist: Schnell die Bauverträge und Planungen fertig machen, vielleicht noch die Bodenplatte gießen und dafür 40.000 bis 45.000 Euro kassieren, was deutlich überhöht ist“, weiß Mauel aus zahlreichen Fällen. „Danach tut sich lange Zeit gar nichts mehr, weil für die Fertigstellung das Geld fehlt.“

„Ich bin maßlos enttäuscht“

So wie bei Rüdiger Volkmann. Wegen fehlerhafter Architektenplanung der IBG gab’s erst im April 2012 die Baugenehmigung. Doch dann fand IBG keine Handwerker, die mit dem Bau beginnen konnten. Erst Ende Mai wurde die Bodenplatte gegossen – und der nächste Stillstand kam. „Es passierte einfach nichts. Ich habe jede Woche telefoniert, wurde hingehalten, vertröstet und wieder hingehalten.“

Im Juli kamen drei Tage lang Maurer, die die Außenwände des Erdgeschosses hochzogen. Seitdem steht sein Haus ohne Zwischendecke, geschweige denn einem Dach auf dem Grundstück in Witten. Weil sich keine Firmen mehr finden, die auf Rechnung der IBG arbeiten wollen, hat sich der Informatiker nun entschieden, auf eigene Faust weiter zu machen – obwohl er rund 90.000 Euro an IBG überwiesen, tatsächlich aber nur Leistungen im Wert von etwa 45.000 Euro erhalten hat.

„Ich bin maßlos enttäuscht“, ärgert er sich über die Verhaltensweise des Unternehmens. Denn: Als er im Mai mit dem Bau begann, sei bei der IBG intern längst bekannt gewesen, wie groß die Schwierigkeiten sind. „Man hat mich bewusst ins offene Messer laufen lassen. Hätte man mir damals offen gesagt, wie es aussieht, wäre mein Verlust geringer gewesen.“

Diese Erfahrung haben zahlreiche andere Bauherren auch gemacht, weiß Kamran Hamidi. Der Hamburger, selbst Opfer der IBG, ist in den letzten Wochen zu so etwas wie einem der Sprecher der IBG-Geschädigten geworden. „Man nimmt dort viele weitere Schicksale in Kauf, nur um das Unternehmen zu retten“, glaubt er. Bis vor wenigen Tagen noch seien Verkaufsangebote gemacht worden – vermutlich um neue Verträge abzuschließen, Geld einzunehmen und so die finanziellen Lücken wieder zu stopfen.

Bei der IBG selbst gibt man sich verschlossen. IBG-Sprecher Michael Krause sagt nur: „Das Ziel von IBG HAUS und den Verhandlungspartnern ist es jetzt, nicht abgeschlossene Bauvorhaben zügig fertig zu stellen.“ Das hatte er auch schon einmal im Februar mitgeteilt. Seitdem wurde alles noch schlimmer.

*Name von der Redaktion geändert

 

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