Basta! – Kampf gegen die Mafia in Dortmund

Lara Baier. Foto: Ralf Rottmann
Lara Baier. Foto: Ralf Rottmann
Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.. Basta! Lara Baier zieht verbal einen temperamentvollen Strich. Schluss, sagt sie und meint die kriminellen Machenschaften der Mafia. Schutzgelderpressung? Nicht mit ihr, nicht hier, sagt die 43-Jährige in ihrer Sprachenschule im Dortmunder Kreuzviertel. Und macht sich stark für die Anti-Mafia-Organisation Addiopizzo.

„Mafia, das ist etwas, über das man nicht spricht, das man aber überall spürt“. Sie, mit norditalienischen und kroatischen Wurzeln, liebt dieses Sizilien dennoch, seit sie es vor 20 Jahren kennenlernte. „Die Menschen sind besonders!“ Damals habe sie gedacht: Mafia, das „ist auf Sizilien begrenzt und das bleibt da“. Sie macht eine abwehrende Handbewegung. „Können Sie sich an Duisburg erinnern?“

August 2007, das blutige Ende einer Geburtstagsfeier. Sechs Italiener sterben im Kugelhagel von Schnellfeuergewehren. Eine Mafia-Fehde, vermuten die Ermittler.

Mafia auch in Deutschland aktiv

Lara Baier war damals dabei. Seit acht Jahren ist sie Justizdolmetscherin, begleitet Ermittlungen, Abhöraktionen, übersetzt bei Gerichtsverhandlungen. Und? Sie schüttelt den Kopf. „Berufsgeheimnis“. Soll heißen: Nichts wird über ihre Lippen kommen, was diese Arbeit betrifft. Nur so viel: Dass die Mafia ihre Strippen auch in Deutschland, in Unna, in Dortmund zieht: „Ich weiß es“.

Sie selbst? Sie winkt ab. Ihre Sprachenschule, die sie im Kreuzviertel betreibt, ist unbehelligt geblieben. Dennoch ist die Schule die Verbindung zu Addiopizzo – einem Zusammenschluss von Restaurants, Bars, Hotels, von Geschäftsleuten und Händlern, die genug haben von den mafiösen Strukturen in ihrer Heimat. „Ein ganzes Volk, das Schutzgeld bezahlt, ist ein Volk ohne Würde“, hatte Addiopizzo die Sizilianer wachgerüttelt. „Schon bei einer Unternehmensgründung muss man dort das Schutzgeld mit auf der Kostenseite einplanen“, sagt Baier. Mehr als 500 Mitglieder in Palermo bieten der Mafia inzwischen die Stirn – und Touristen wie Einheimischen mafiafreie Zonen, Produkte, Reisen. Baier zeigt den Sticker an ihrer Jacke: „Pago chi non paga“ – „Ich bezahle nur den, der nicht zahlt“.

Erschlagen und erschüttert

Mehr als zwei Dutzend aus ihrem Italienisch-Kurs buchten den Kurztrip nach Palermo unter diesen Vorzeichen. Ein Tag Kunst und Kultur, ein Tag Mafia – sie waren anschließend erschlagen bis erschüttert. Hatten den Bruder des ermordeten Peppino Impastato kennengelernt, waren mit Carabinieri-Begleitung zum Sender eines Journalisten begleitet worden, der mehrere Anschläge überlebt hat, hatten das Kriminalkommissariat besucht und waren bei der Einweihung des neuen Firmensitzes von Addiopizzo in einer ehemaligen konfiszierten Mafiosi-Wohnung willkommen geheißen worden. Hatten erlebt, wie in Corleone, ehemals Mafiasitz, jetzt die Bürgerbewegung „Libera Terra“, (Freies Land), Produkte anbaut und unter diesem Namen vermarktet.

Hier setzt jetzt Lara Baier an: „Der erste Schritt ist, Händler zu finden, die diese Anti-Mafia-Produkte kaufen und verkaufen“. Ein zweiter, vielleicht italienische und deutsche Ermittler zusammenzubringen. Ein dritter: Menschen für den Kampf gegen die Mafia zu gewinnen, auch hier, mitten im Ruhrgebiet. „Wenn man sieht, wie die Menschen in Sizilien Kopf und Kragen riskieren, dann würde ich mir wünschen, wenn es auch hier mehr geben würde, die dagegen halten.“

 
 

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