Bankräuber schildert seinen Fluchtversuch

Kathrin Melliwa
Im Landgericht ging der Prozess gegen die Bankräuber weiter, deren Fluchtversuch gescheitert war. Foto: Luthe
Im Landgericht ging der Prozess gegen die Bankräuber weiter, deren Fluchtversuch gescheitert war. Foto: Luthe
Foto: WR/Franz Luthe

In Fußfessel schlichen jene beiden Bankräuber in den Saal 24 des Landgerichtes, die letzten Montag durch einen beherzten Sprung aus dem Fenster geflüchtet waren.

Richtig gelohnt hat sich für die aus Weißrussland stammenden Männer die halsbrecherische Aktion nicht: Der 18-Jährige, der nach dem Sprung aus vier bis fünf Metern Höhe bewusstlos wurde und von der Hamburger Straße aus ins Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg kam, verlor drei Zähne. Wegen diverser Prellungen kann er kaum gerade gehen, zudem wurde eine größere Wunde am Kinn genäht.

Blick fiel auf das offene Fenster im Nebenzimmer

Sein unverletzt gebliebener Mitstreiter genoss letzten Montag zumindest bis zum Abend die Freiheit, ehe er in einem Internet-Cafe festgenommen wurde. Die Konsequenzen tragen nicht nur die Angeklagten, die mit Ketten um die Füße den Saal betraten. Einer der drei Wachtmeister saß nicht mehr neben der Ausgangstür, sondern direkt hinter den Angeklagten. Und somit auch nahe des Beratungszimmers, das seitdem für jeden Gang des Gerichtes auf- und abgeschlossen wird. Denn nach einem Blick durch jene Tür, so erzählte der 21-Jährige an der Seite seiner Verteidigers Jan-Henrik Heinz, habe man dem Lockruf der Freiheit nicht mehr widerstehen können...

Der dritte Mann blieb verdattert sitzen

„Ich bin ein junger Mann. Als wir in den Saal hereinkamen, sah ich, dass im Beratungszimmer ein Fenster aufstand. Ich habe nicht überlegt, was ich tue, das war spontan. Ich schäme mich sehr.“ Die Reaktion des Vorsitzenden Richters der Jugendstrafkammer Ulf Pennig war daraufhin auch sehr spontan: „Ich glaube Ihnen kein Wort.“ Bei einer Spontanhandlung wären nicht beide Angeklagten wie auf Kommando losgestürmt. „Der eine reckte und streckte sich, und plötzlich ging es los“, erinnert sich Rechtsanwältin Bianka Teuber, Verteidigerin des dritten Angeklagten, der am Montag ebenso brav wie verdattert sitzen blieb.

Strafrechtlich hat der Fluchtversuch für das Duo, das zwei Überfälle auf die Sparkasse in Marten gestanden hatte, keine Konsequenzen. „Es wurde niemand verletzt, kein Beamter oder Passant umgestoßen“, erklärte der Vorsitzende Richter. Ob eine solche Aktion einer entspanten Prozess-Atmosphäre dient, ist die andere Frage.