Bande von „Klau-Kids“ in Dortmund zerschlagen

Andreas Winkelsträter
Foto: Dirk Bauer / WAZ FotoPool
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Dortmund. Immer häufiger werden vor allem ältere Menschen Opfer von immer mehr Taschendieben. Die Zahlen steigen in Dortmund rasant an. Erst vor wenigen Tagen gelang die Zerschlagung einer Bande von „Klau-Kids“. Die Drahtzieher stehen im Herbst vor Gericht.

„Ich war so geschockt, konnte nicht mehr klar denken und wollte einfach nur noch nach Hause“. Verzweifelte Worte einer 76-jährigen Dortmunderin, die Opfer einer Taschendiebin geworden ist. Kein Einzelfall. Die Zahlen steigen von Jahr zu Jahr an. „Von Januar bis Mai 2009 mussten wir 850 Fälle bearbeiten“, erklärte Wolfgang Wieland, Sprecher der Dortmunder Polizei. In diesem Jahr seien es bislang schon wesentlich mehr Fälle.

„Und dabei hatte ich doch so aufgepasst“, erklärte die alte Dame niedergeschlagen. Sie habe eingekauft, habe zwei Plastiktüten von C & A bei sich gehabt, als sie in den DM-Markt am Ostenhellweg gegangen sei. Auch hier wollte sie sich keine Blöße geben. So „versteckte“ sie ihre mit einem Reißverschluss verschlossene Handtasche zwischen den Plastiktüten und hängte diese an den Einkaufswagen.

Nichtsahnend zur Kasse

Sie ahnt noch nichts, als sie sich in Richtung Kasse aufmacht. Beim Blick auf ihre Handtasche fährt ihr ein Schock durch die Glieder: der Reißverschluss ist geöffnet, ihre Geldbörse weg. „Ich wollte auch nur noch weg.“ Zum Glück war sie vorsichtig, hatte in ihrer Geldbörse nur einen kleineren Geldbetrag, ein paar Kundenkarten sowie den Personalausweis. „Das restliche Geld habe ich im Brustbeutel.“

Zusammen mit ihrem Sohn zeigt sie den Diebstahl an, kehrt zu DM zurück. Glück für sie: Der ganze Vorfall ist von einer Überwachungskamera aufgezeichnet worden. „Und da hat man gesehen, wie mich eine unbekannte Frau schon in das Geschäft verfolgt hat“, erklärt die 76-Jährige fassungslos. In Bruchteilen von Sekunden, als sie sich zum Katzenfutter runterbeugt, hat die Taschendiebin zugeschlagen, den Reißverschluss der Handtasche geöffnet und das Portemonnaie „gezogen“. In Windeseile flüchtet die Diebin in einen Nachbargang, begutachtet ihre Beute und verschwindet aus dem Geschäft.

Lange Beobachtung

„Taschendiebe beobachten ihre Opfer lange und genau, spähen sie regelrecht aus“, weiß Wolfgang Wieland. Sie suchten meist die Enge und treten besonders bei Menschenansammlungen auf, zum Beispiel bei Großveranstaltungen oder beim Ein- und Aussteigen bei Bus uns Bahn“, so der Erste Polizeihauptkommissar.

Oftmals suchten sie körperliche Nähe, rempeln ihre Opfer an, verwickeln diese mit fadenscheinigen Fragen in ein Gespräch. „Meist arbeiten sie in Gruppen“, sagt Wieland.

Der Erste lenkt das Opfer ab, der zweite stiehlt die Beute und gibt sie an einen Dritten weiter.