Bahn koppelt Strecke nach Hamburg ab

Bahn-frei in den Sommerferien: Weil die Gleise zwischen Dortmund und Lünen offenbar dringend erneuert werden müssen, koppelt die Bahn AG den Dortmunder Hauptbahnhof ganze sechseinhalb Wochen von der wichtigen Nord-Südstrecke ab.

Vom 26. Juni bis zum 7. August bleibt die Direktverbindung zwischen Dortmund und Hamburg voll gesperrt - mit erheblichen Auswirkungen auf den Nah- und Fernverkehr. Bahnreisende müssen sich in dieser Zeit auf allerlei Verzögerungen und lästiges Umsteigen einstellen. Allein im Fernverkehr sind tägliche 44 Verbindungen betroffen. Die beiden Regionalbahnen RB 50 (Dortmund-Lünen-Münster) und 51 (Dortmund-Lünen-Coesfeld) fallen sogar komplett aus. Der Schienennahverkehr zwischen Dortmund und Lünen wird durch Busse ersetzt. Sie pendeln zwischen Dortmund Hbf und Lünen Hbf. Gravierender sind die Auswirkungen für den Fernverkehr: Die ICs und ICEs der Linien 30 und 31 werden Dortmund (und auch Bochum) im großen Bogen über Hamm bzw. Gelsenkirchen umfahren. Reisende aus Dortmund, die in die Schnellzüge Richtung Münster, Bremen und Hamburg zusteigen wollen, müssen zunächst mit Nahverkehrszügen bis Hamm, Essen oder Gelsenkirchen fahren und dort umsteigen. Alle Veränderungen seien bereits im Internet-Fahrplan der DB eingearbeitet, so Bahn-Sprecher Jürgen Kugelmann. Zeitpunkt und Dauer der geplanten Bauarbeiten hat die Bahn bewusst gewählt. Kugelmann: „In den Schulferien ist das Fahrgastaufkommen wegen der fehlenden Schulkinder in der Regel kleiner.” Bei einer Teilsperrung der Strecke hätten sich die Gleisarbeiten außerdem über mehrere Monate hingezogen. Die Vollsperrung in den Ferien sei da „das kleinere Übel”. Dass die Komplettsperrung ausgerechnet die „Loveparade” am 19. Juli betrifft, ist ebenfalls einkalkuliert. Denn wegen des zu erwartenden Massenandrangs beim größten Techno-Spektakel der Welt plant die Bahn am Loveparade-Wochenende ohnehin mit einem Sonderfahrplan ohne Fernverkehr. Bei der Loveparade im vergangenen Jahr strömten rund 1,2 Mio Techno-Fans nach Essen. Ein Alternative zu den Bauarbeiten gebe es nicht, so Kugelmann. „Nach 25 bis 30 Jahren sind die Gleise hinüber und müssen ausgewechselt werden.” Das sei die übliche Lebenszeit für Bahngleise und Weichen. Anders sieht das der Fahrgastverband Pro Bahn. „Für mich ein klarer Fall von Sanierungsstau”, wettert Pro Bahn-Sprecher Lothar Ebbers im WAZ-Gespräch. Die Bahn habe den Unterhalt der Strecke zu lange schleifen lassen. „Jetzt hilft nur noch Klotzen.” Ebbers verweist auf weitere „Baustellen” der Bahn im Ruhrgebiet. Der Regionalexpress RE3 von Dortmund nach Oberhausen verliere derzeit an zwei Baustellen in Herne und Essen regelmäßig an Fahrt. Ebbers: „Das zeigt, wie weit es mit dem Schienennetz im Ruhrgebiet gekommen ist.”

 
 

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