Bäckereien dramatisch im Umbruch

Foto: Ralf Rottmann
Das Bäckerei-Handwerk befindet sich seit Jahren in einem dramatischen Umbruch. Auch traditionsreiche Familienbetriebe, die wie Willi Feldkamp seit über 80 Jahren am Ort ansässig sind, geraten in Schwierigkeiten.

Dortmund. Das Bäckerei-Handwerk befindet sich seit Jahren in einem dramatischen Umbruch. Auch traditionsreiche Familienbetriebe, die wie Willi Feldkamp seit über 80 Jahren am Ort ansässig sind, geraten in Schwierigkeiten. Jürgen Böhm, Geschäftsführer der Bäcker-Innung Dortmund und Lünen, beschreibt die Lage.

„Umbruch? Der Umbruch ist längst gelaufen“, schätzt Böhm die Situation im Bäckereihandwerk ein. 1970 hatten wir noch 222 backende Betriebe, jetzt gebe es in Dortmund noch gut 30. Immer mehr habe sich das Handwerk in Richtung Industrie-Fertigung gewandelt. Kostendruck und effizientere Herstellung der Backwaren waren die Triebfeder. Auslöser - nach Auffassung von Böhm: der Wegfall des Nachtbackverbots. Das habe für viele Familienbetriebe den Sargnagel bedeutet.

Frischen Backwaren im Discounter-Automaten

Aktuell bieten auch Discounter wie Lidl und Aldi frische Backwaren in Automaten zu unschlagbaren Preisen. Hierzu kommentiert Böhm: „Daran verdient doch keiner mehr. Da geht es doch nur noch über die Menge.“ Andererseits seien auch Supermarkt-Ketten ernsthafte Konkurrenten, wenn die Backwaren nach guten Rezepturen hergestellt werden.

Ohnehin kaufe nicht jeder Dortmunder ausschließlich nach dem Preis ein. Es gebe sehr wohl für den kleinen Familienbetrieb in exponierter Lage mit hochpreisigen Angeboten eine sehr gute Nachfrage, wenn die Qualität stimmt. Laut Böhm kauft ein Drittel der Kunden nur nach dem Preis, ein Drittel, das „Geld ohne Ende“ habe, kaufe nur nach Qualität und ein Drittel kaufe mal so, mal so. Aber 90 Prozent der Bäckereien versuchten inzwischen über den Preis die Käufergruppen anzusprechen, die sich keine großen Sprünge leisten können.

Backhaus mit "Drive-In"

Grundsätzlich macht sich Böhm keine Sorgen um die Zukunft des Bäckereinhandwerks. Wer pfiffige Geschäftsideen entwickele, werde auch den Angriff der Discounter überstehen. Der Innungschef nennt Beispiele, in denen Bäcker überzeugende Snack-Angebote herstellen.

„Wer macht sich denn heute morgens noch ein Butterbrot?“ fragt Böhm und beschreibt die Veränderungen des Kundenverhaltens. Stattdessen werde unterwegs Fastfood konsumiert. Ein überzeugendes Angebot liefere ein Wittener Anbieter, der ein Backhaus mit „Drive-In“- Möglichkeit als Alternative zu Mc Donald’s kreiert habe.

Dort gebe es nicht nur günstige Angebote, gute Produkte, sondern auch noch angenehme Aufenthaltsqualität mit Musik. Und das an 24 Stunden rund um die Uhr. Dieses Konzept schreibe eine Erfolgsgeschichte.

 
 

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