Ausgelassenes Gedenken an Bob Marley

Jens Wege
Foto: PHOTOZEPPELIN.COM

Tausendfach gehört, hundertfach gecovert - die Songs von Bob Marley als Klassiker zu betiteln, ist da fast untertrieben. Wie lebendig das Erbe der viel zu früh verstorbenen Reggae-Ikone noch immer ist, davon konnten sich die Strobels-Besucher überzeugen.

Für die gab es beim Auftritt der Wailers kein Halten mehr.

Auch bei Sebastian Sturm stehen die Zeichen auf Bewegung. Vor der Bühne wogen eifrige Tänzer, wackeln Dread-Locks und flattern luftige, bunte Kleider und Bob Marley-Shirts. Auch jenseits des Bierstandes müssen die Leute mindestens mitwippen. Obwohl erst 29, überzeugten der drahtige Sänger und seine Band mit energiegeladenem Roots-Reggae, bei dem auch mal das Verzerrer-Pedal bedient wird. Sebastian Sturms Botschaft ist klar: „Dortmund - Peace”. Das Anliegen der Zuschauer auch: „Zugabe”, fordern und bekommen sie. Als diese in der einsetzenden Dämmerung loslegen, wird allen klar, warum Bob Marleys Musik solch einen Kult-Status hat.

Der Sound, den seine einstigen Mitstreiter erzeugen, ist unverwechselbar und reißt jeden mit. Der erste Ton gehört zu „Natty Dread”. Die wohlbekannte, wummernde Bassmelodie und der hohe Chor der Background-Sängerinnen zau-berten ein glückliches Grinsen in die Gesichter und einen energischen Bewegungsdrang in Arme und Beine. „Get up, stand up” folgt im Best-of-Bob-Marley-Reigen. „I-O-O-O”, singt der Chor der 600 Fans mit „Chorleiter” Junior Marvin, der Bob Marley schon 1980 beim Auftritt in der Westfalenhalle zur Seite stand. „Are you here to party?”, fragt er die Menschenmenge, die man als eingeschworene Gemeinde bezeichnen kann: Wildfremde Menschen umarmen sich beim Tanzen, prosten sich zu.

„Stir it up” und „Exodus” lassen die Fans schwitzen. Lediglich beim bewegenden „Redemption Song” hält das Publikum ergriffen inne und reckt die Arme. Ein ausgelassener Gedenkgottesdienst für Bob Marley.

Fotos: Michael Printz