Auf der Hohen Straße droht Tempo 30

Autoverkehr macht den Dortmundern am meisten zu schaffen. Die Experten im städtischen Umweltamt haben rund 90 Straßenzüge ausgemacht, an denen die Anwohner zu hohen Lärmbelastungen ausgesetzt sind. Die Stadtverwaltung will gegensteuern - möglicherweise mit Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen.

DORTMUND. Gemäß den Vorgaben der EU hat die Stadt Dortmund in den vergangenen Jahren einen Lärmaktionsplan erstellt, dessen endgültige Fassung zum Jahresende den Politikern im Umweltausschuss vorgelegt wird.

160 Seiten starkes Papier

In dem rund 160 Seiten starken Papier hat das Umweltamt alle Straßenzüge erfasst, an denen Anwohner tagsüber mehr als 70 Dezibel ausgesetzt sind und nachts mehr als 60 Dezibel. Werden diese Schwellenwerte überschritten, muss die Stadt eingreifen.

Die Experten im Umweltamt haben stadtweit rund 90 Straßenzüge und -abschnitte ausfindig gemacht, an denen der Verkehr überproportional viel Lärm macht und gedämpft werden muss. "Wir mussten Prioritäten bilden", sagt Heinrich Bornkessel aus dem Umweltamt.

Details will er mit Rücksicht auf die Politik, die den Aktionsplan am 3. Dezember erwartet, noch nicht verraten. Nur so viel: An 14 Örtlichkeiten schlägt der Lärmpegel besonders stark aus. Dort muss die Stadt aktiv werden.

Die schlimmsten Fälle

Auch wenn Bornkessel nichts vorwegnehmen will - ein Blick auf eine vor Jahren von Bürgern erstellte Lärmkarte zeigt, wo es am stärksten brennt: an der Märkischen Straße, an der Ruhrallee und der Hohen Straße, den drei wichtigsten Einfallstraßen in die City.

Was der Rat am Ende konkret beschließen wird, bleibt vorläufig offen. Klar ist aber, dass die Hilfsoptionen der Stadt für die vom Autoverkehr belasteten Bürger nicht unendlich sind.
Das Umweltamt kann empfehlen zu prüfen, ob die Fahrbahndecke mit lärmarmem Asphalt überzogen werden soll. Das kostet und ist aus technischen oder baulichen Gründen auch nicht immer machbar. Zweite Möglichkeit: Das Tiefbauamt kann Fahrradwege von den Bürgersteigen auf die Straße verlegen, um den Abstand zwischen vorbeifahrenden Autos und den Wohnhäusern zu vergrößern und den Straßenraum im gleichen Atemzug zu verkleinern. "Schon das bringt spürbare Entlastung", sagt Bornkessel.

Lediglich Empfehlungen

Wo diese Lösungen aus baulichen und aus Kostengründen nicht machbar sind, weil Radwege bereits neben der Fahrbahn verlaufen, muss eine dritte Option greifen, die man im Umweltamt keineswegs ausschließt: die Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 30, zum Beispiel in der besonders lärmempfindlichen Nacht.

Und die kommt für die Hohe Straße, vor Jahren umgebaut, ebenso in Betracht wie für die Ruhrallee, deren Fahrbahnbreiten nur schwerlich beschnitten werden können. "Wir geben lediglich Empfehlungen, Dinge zu prüfen", stellt Bornkessel klar. "Ob sie zum Tragen kommen, entscheiden nicht wir."

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