Auch bei der Loveparade in Dortmund war es eng

Loveparade 2008: Luftbild vom 19. Juli auf die B1, wo es deutlich mehr An- und Abreisewege als in Duisburg gab. Foto: Hans Blossey
Loveparade 2008: Luftbild vom 19. Juli auf die B1, wo es deutlich mehr An- und Abreisewege als in Duisburg gab. Foto: Hans Blossey
Foto: Hans Blossey

Dortmund. Von der Stadt Dortmund gibt es keine offizielle Mitteilung zum Loveparade-Unglück in Duisburg. Als Vorgänger-Veranstalter 2008 können Vertreter der Verwaltung Hintergründe solch einer Massen-Veranstaltung aber erklären.

Die Stadt Dortmund, der wohl letzte Veranstalter einer weitgehend störungsfreien Loveparade, hält sich zurück und möchte die Katastrophe in Duisburg nicht bewerten. Verständlich, da die Situationen und Örtlichkeiten vom 19. Juli 2008 und dem 24. Juli 2010 vielfach grundlegend verschieden sind. Wobei es natürlich hier und da auch Analogien gibt.

„Auch bei uns war es damals punktuell an einigen Stellen eng, etwa rund um die Floats. Aber wir hatten sehr weiträumige Ausweichflächen: an beiden Enden der abgesperrten B1 und an der Westfalenhalle sowie durch die Nebenstraßen“, erinnert sich Dortmunds Stadt-Pressesprecher Udo Bullerdieck. „Das größte Problem mit den vielen Menschen gab es am Hauptbahnhof, speziell bei der Rückreise. Weil die Menschen immer nur portionsweise eingelassen wurden, mussten vor dem Bahnhof damals viele teilweise sehr lange auf ihren Zug warten.“

Auch die zuletzt viel beachtete Aussage von Bochums ehemaligem Poizeipräsidenten Thomas Wenner gibt Hinweise darauf, dass es in Dortmund aus Sicht Verantwortlicher keineswegs reibungslos lief. Zitat: „Was denken sich eigentlich Politiker und Journalisten, die die Metropole Ruhr als Monstranz ihrer Popularität vor sich hertragen, wenn es um die Verantwortung derer geht, die als Amtsträger für die Folgen ihres Handelns persönlich haften? Die mit ihrem Tun die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten haben? Die die Enge des Veranstaltungsraumes und die Disfunktionalität der Zu- und Abfahrtströme kennen, die wissen, dass es schon in Dortmund diesbezüglich heikle Situationen gegeben hat?“

18 Monate Sicherheitsberatungen

Anderes Thema: Etwa 18 Monate wurden damals im Vorfeld Sicherheitskonzepte besprochen. Mit den Erfahrungen der Essener Loveparade 2007 intensivierten die Beteiligten diese dann ein Jahr lang mit dem Zieldatum 19. Juli 2008. „Es gab einen Lenkungskreis sowie viele Arbeitskreise wie etwa jenen für Sicherheit u.a. mit Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten“, erläutert Bullerdieck, der das Ereignis schon damals als Stadtsprecher begleitete.

Im Vorfeld der Duisburger Loveparade fragten auch die dortigen Verantwortlichen in Dortmund an. Anfang 2009 gab es eine erste allgemeine Vorbesprechung, die letzte der drei fand im März 2010 statt. „Wir haben Duisburg all unsere Sicherheitsunterlagen übergeben, hatten aber keinen Einblick in deren Konzept“, so Bullerdieck. „Das ist auch völlig normal, da Externe die Örtlichkeiten nicht kennen können, insofern hätte ein detaillierter Austausch keinen Sinn ergeben.“ Was die Lehren für die Zukunft von Massenveranstaltungen betrifft, hält Bullerdieck die Duisburger Ergebnisse der Unglücks-Ermittlungen hingegen für sehr wichtig. „Speziell die Feuerwehren werden aus den Auswertungen der Staatsanwaltschaft möglicherweise Lehren ziehen können.“

Angesprochen auf seine Gefühlsreaktionen nach der Schreckensnachricht am Samstag, gibt Dortmunds Sprecher Zweierlei preis: einerseits große Betroffenheit, andererseits auch Erleichterung sowie Dankbarkeit, dass die Loveparade „hier in Dortmund 2008 fast reibungslos geklappt hat“.

 
 

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