Arme Zuwanderer sollen nicht nur in der Nordstadt landen

Peter Bandermann
In der Mallinckrodtstraße in Dortmund hat das "Café Plovdiv" eröffnet. Aus dieser bulgarischen Stadt stammen viele der verarmten Zuwanderer, zumeist Roma.
In der Mallinckrodtstraße in Dortmund hat das "Café Plovdiv" eröffnet. Aus dieser bulgarischen Stadt stammen viele der verarmten Zuwanderer, zumeist Roma.
Foto: Peter Bandermann
Wer aus Rumänien oder Bulgarien nach Dortmund kommt, soll auch in andere Stadtteile ziehen — nicht nur in die Nordstadt. Sozialarbeiter sollen arme Zuwanderer aus Osteuropa besser integrieren. Derzeit leben 3500 Männer, Frauen und Kinder aus beiden Ländern in der Stadt.

Dortmund will mit speziell ausgebildeten Sozialarbeitern die Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien besser integrieren. Die Nordstadt soll nicht länger der einzige Bezirk sein, der Flüchtlinge aus Osteuropa aufnimmt. Die Menschen sollen Wohnraum auch in anderen Stadtteilen finden.

Diese wichtigen Aussagen sind auf einer Tagung des Internationalen Bildungswerks (IBB) im Reinoldinum gefallen. Das IBB wollte mit Referenten und Gästen die Hintergründe der "Armutszuwanderung aus Osteuropa" beleuchten und rückte dabei auch die Lage der Roma in der Dortmunder Nordstadt in den Mittelpunkt.

Analphabeten und ohne Ausbildung

Bisher hat die Stadt 4,2 Millionen Euro investiert, um den Lebensunterhalt der nach Dortmund übersiedelten Bulgaren und Rumänen zu sichern und die Familien zu integrieren. Bis zu 3500 Männer, Frauen und Kinder aus beiden Ländern leben zurzeit in der Stadt.

"Die meisten hier lebenden Bulgaren und Rumänen sind Analphabeten und schlecht oder gar nicht ausgebildet", berichtete Christiane Certa vom Sozialdezernat der Stadt auf einer Tagung unter dem Motto "Vom Ende der Toleranz oder: Lustig ist das Zigeunerleben, aber bitte anderswo."

"Neuer Sozialarbeiter" soll Kultur und Sprache verstehen

Eine Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Dortmund soll einen neuen "Typ Sozialarbeiter" hervor bringen, der Kultur und Sprache der Zuwanderer versteht und das für die Integration nutzt.

In seinem "Jahr der Toleranz" hatte das 2011 von der Bundeszentrale für politische Bildung ausgezeichnete Internationale Bildungswerk (IBB) über 100 Gäste zu der Tagung in das Reinoldinum eingeladen.

Darunter war auch der bulgarische Wissenschaftler Professor Dr. Hristo Kyuchukov. Der in seiner Kindheit selbst von Diskriminierung betroffene Buchautor ("Mein Name war Hussein") erkannte neben der Armut der Menschen auch den allgegenwärtigen Rassismus des Staates gegenüber den Roma als Ursache für die Flucht.

"Roma nicht kriminalisieren"

Die Roma seien in dem Plowdiwer Stadtbezirk Stolipinovo regelrecht ghettoisiert worden. Die in Dortmund gestrandeten Roma dürften nicht länger kriminalisiert, sondern müssten integriert werden. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung in Dortmund liege deutlich unter 1%.

Der Buchpreis-Träger, Fotograf und Journalist Rolf Bauerdick appellierte an die Stadt, die bereits hier wohnenden Menschen einzubeziehen: "Integration erfordert das Wohlwollen der Nachbarn". Zugleich müsse die Justiz aber auch konsequent gegen die Minderheit von Straftätern vorgehen. Der Eindruck sei in Osteuropa nicht vorhanden.

Bessere Integration erfordert mehr Geld

Für die bessere Integration benötigt die Stadt Dortmund mehr Geld. Derzeit bemühen sich Diakonie und Caritas um Fortschritte. Doch das Geld ist knapp. In Bulgarien sind von der EU finanzierte Sozialprojekte wegen über Jahre anhaltender Korruption gestoppt oder nicht abgerufen worden.

Christiane Certa bedauert, dass die Finanzen von der EU nicht umgeschichtet und den Städten im Ruhrgebiet zur Verfügung gestellt würden. "Die Zeit drängt", sagte Certa auf der Tagung.