Architektur-Führer Dortmund — Wohnsiedlung Hannibal

ROTTMANN FOTO Luftbild Hannibal Wohnblock Wohnung Wohnungen Terrassenhäuser in Dortmund Dorstfeld
ROTTMANN FOTO Luftbild Hannibal Wohnblock Wohnung Wohnungen Terrassenhäuser in Dortmund Dorstfeld
Am Hannibal scheiden sich die Geister: Hässlich oder schön? Wobei dieses Gegensatz-Paar es kaum trifft. Besser wäre: Hässlich oder zu ungewöhnlich zum Verachten? Denn etwa Vergleichbares gibt es im Ruhrgebiet nicht.
Dortmund. 
  • Wohnhochhäuser "Hannibal"
  • kleiner Hannibal: Bornstr. 77-85, 44145 Dortmund-Nord
  • großer Hannibal: Vogelpothsweg 12-26, 44149 Dortmund-Dorstfeld
  • Eigentümer: privat
  • Baujahr: 1974
  • Architekt: Einsfeld, Odenwaeller, Spiess
  • Nutzung: Wohnungen
  • Besonderheit: zwei Standorte in Nordstadt und Dorstfeld — ständige Eigentümerwechsel am "großen Hannibal" in Dortsfeld, fortwährend Probleme am Bau — Architekt nahm Idee des Olympischen Dorfes von 1972 in München auf — Wohnungen terrassenförmig versetzt auf anderthalb Ebenen ("Splitlevel")
30 Architektur-Tipps aus Dortmund

"Zwei gibt es davon in unserer Stadt, und an ihrer Platzierung kann man sehen, wie wesentlich der Bezug zur Umgebung in der Architektur ist. Es gibt selten gute Architektur in schlechtem oder gar keinem städtebaulichen Zusammenhang.

Der Eine der Beiden steht in der Nordstadt und tarnt sein Volumen durch eine Höhenstaffelung, die Bezüge zur gründerzeitlichen Umgebung herstellt und dadurch einen Straßenraum formuliert, der allerdings durch die nach oben zurückspringenden Geschosse in der Höhe etwas ausfranst.

Der Andere steht in Dorstfeld und ist nur noch ein Trauerspiel. Unvermittelt auf eine Wiese gestellt, belegt er die unbedingte Nichtübertragbarkeit architektonischer Ideen von einem Ort zum nächsten. Der Dorstfelder Hannibal ist und bleibt Fremdkörper, sozialer Brennpunkt und belegt Heinrich Zilles Zeile, der zufolge man Menschen mit den Räumen einer Wohnung ebenso töten könne wie mit einer Axt.

Der Hannibal in der Nordstadt dagegen ist noch immer, allerdings mit großen Mühen seitens der vermietenden Wohnungsbaugesellschaft, lebendig und bewohnt, was neben der zentralen Lage auch an den interessanten Grundrissen, den zweigeschossigen Maisonetten und den großen Balkonen, die das Architektenteam in bester Le Corbusier'scher Tradition entwickelt hatte, liegen dürfte."

Richard Schmalöer, Architekt aus Dortmund