Architektur-Führer Dortmund — WestLB an der Kampstraße

Foto: Katrin Figge
Erst 2010 wurde das ehemalige WestLB-Gebäude mitten in der Innenstadt unter Denkmalschutz gestellt. Und das war auch dringend nötig — besonders gut in Schuss war der mächtige Bau an der Kampstraße nämlich nicht. Inzwischen wurde er zum Ärztehaus umgebaut.
Dortmund. 
  • Ärztehaus (früher WestLB und Dresdner Bank)
  • Kampstraße 45, 44137 Dortmund-Mitte
  • Eigentümer: privat
  • Baujahr: 1978
  • Architekt: Harald Deilmann
  • Nutzung: erst Banken, dann Umbau zum Ärztehaus "Dortmunder Centrum für Medizin und Gesundheit"
  • Besonderheit: futuristisch anmutende Architektur auf Basis eines 8x8 Meter großen quadratischen Rasters — ursprünglich zwei Komplexe für zwei Banken, verbunden durch eine Passage — Fassade aus aufgehelltem Sichtbeton ohne Struktur — Innenhof
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"Nicht versteckt, eher mittendrin, aber trotzdem jahrzehntelang nicht wahrgenommen, so steht ihm nun der zweite Frühling bevor — dem gigantischen Komplex im Herzen der Stadt: dem doppelten Bankgebäude, das sich in ein Ärztehaus verwandelt hat.

Viele sind dem Charme des weißen Monsters verfallen

Als ich vor sieben oder acht Jahren die Idee hatte, mehr als das Augenmerk einiger Fachleute auf die Architektur der 60er und 70er in unserer Stadt zu lenken und damit den Anstoß zu unserer BDA-Publikation gab, hatte ich eben dieses und ein weiteres Gebäude des selben Architekten vor Augen und ich glaube, seit dieser Publikation sind einige weitere Personen dem Charme des weißen Monsters verfallen.

Zunächst die Denkmalpfleger, die es zum jüngsten Baudenkmal Dortmunds gemacht haben, und dann (nach dem Auszug der WestLB aus der östlichen Hälfte) auch eine Investorengruppe, die es sich zutraut, den Komplex wieder mit Leben zu füllen und dabei gleichzeitig viel Gutes für unsere Innenstadt zu tun.

Das hat zwar auch Harald Deilmann als Planer durch die ins Erdgeschoss integrierte Ladenzeile versucht, machte es aber gleichzeitig durch die düsteren Hohlwege hinter diesen Läden wieder zu Nichte. Das war etwas bis dahin Undenkbares: die Ehrwürdigkeit des Geldhauses mit der Profanität des Einkaufens und sogar mit einem Café zu kombinieren.

Umbau hob Fehler der ursprünglichen Planung auf

Jetzt soll es die Medizin sein, deren enormem Businessfaktor es sogar möglich ist, die riesige Hülle des Bankgebäudes zu füllen. Bei einem Rundgang durch die Baustelle, die mir ein befreundeter zukünftiger Mieter zeigte, war ich beeindruckt vom Volumen des Wirtschaftswunderfolgebaus und von der Qualität des Umbauvorhabens selbst, dem ich ganz im Sinne des noch im Entstehen begriffenen Boulevards Kampstraße viel, viel Erfolg wünsche.

Der Umbau scheint die Fehler der ursprünglichen Planung aufzuheben und interessante Übergänge vom öffentlichen zum halböffentlichen und zum privaten Raum zu kreieren."

Richard Schmalöer, Architekt aus Dortmund