Architektur-Führer Dortmund — Liebfrauenkirche

Die Liebfrauenkirche im Dortmunder Klinikviertel
Die Liebfrauenkirche im Dortmunder Klinikviertel
Foto: Blossey
Von außen scheint die Liebfrauenkirche im dichtbesiedelten Klinikviertel eine ganz normale Kirche zu sein. Erst im Innern wird klar: Das Gotteshaus ist eine Grabeskirche. Die Kirchenbänke wurden durch kniehohe Urnen-Wände ersetzt, die sich wie ein Labyrinth durchs Kirchenschiff ziehen.
Dortmund. 
  • Liebfrauenkirche (Grabeskirche)
  • Amalienstr. 21, 44135 Dortmund-Mitte
  • Eigentümer: Propsteigemeinde
  • Baujahr: 1883
  • Architekt: Friedrich von Schmidt, Wien (Umbau: Volker Staab, Berlin)
  • Denkmalschutz
  • Nutzung: Beisetzungen
  • Besonderheit: Nachdem die Zahl der Gemeindemitglieder immer weiter gesunken war, entschied die Gemeinde 2008, das sanierungsbedürftige Gotteshaus in seiner damaligen Form aufzugeben und in eine Grabeskirche zu verwandeln. Sonst wäre das Gebäude nicht zu halten gewesen.
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"Dass das Schiff dieses Gotteshauses das größte in Dortmund ist, war mir lange nicht bekannt. Generell war mir die Kirche hinter dem ausufernden Komplex des Johannes-Hospitals nie aufgefallen — wie manch andere Kirche jüngeren Ursprungs auch. Beispielhaft erwähnt seien deshalb hier die lohnenden Besuchsziele Ev. Immanuel-Kirche in Marten und die Evangelische Kirche in Dorstfeld. Ihre Innenräume scheinen (wie immer, wenn man solcherlei Historisches in unserer Stadt entdeckt) nicht in unsere Wiederaufbaustadtlandschaft zu passen.

Erst die Suche der Gemeinde nach einer anderen Nutzung machte die Liebfrauenkirche zumindest in Architektenkreisen bekannt, denn diese neue Nutzung verschaffte ihr niemand Geringeres als Volker Staab, Berliner Kollege von nationalem Ruf und ohne Zweifel einer der Besten des Landes. Sein Wettbewerbsentwurf zur Umnutzung in ein Kolumbarium, eine Grabeskirche, verwandelt den Raum in einen Ort seriöser Erhabenheit.

Die neuen Einbauten, die Urnengrabstätten, sind lediglich in Kniehöhe angeordnet. Schön proportionierte Sockel aus Baubronze bedecken den größten Teil des Bodens, alles in angenehmster Harmonie von Materialität und Farbe und alles ohne den Blick für die Größe des Saales und die Würde der Schöpfung zu verlieren. Nicht selbstgefällig, wie Stararchitektur häufig hineinpoltert, nicht übereifrig, sondern feinfühlig und stilsicher. Große Architektur sollte häufiger so bescheiden sein."

Richard Schmalöer, Architekt aus Dortmund