Architektur-Führer Dortmund — Hauptfriedhof

Das Kolumbarium, links davon Trauerhalle und Verwaltung.
Das Kolumbarium, links davon Trauerhalle und Verwaltung.
Foto: Stefan Reinke
Der Hauptfriedhof ist Dortmunds größter Park. Ein Spaziergang lohnt sich — aber bitte mit Respekt vor den Trauernden. Mit seinen freien Rasenflächen, den alten Bäumen und dem Teich mit den schwarzen Schwänen ist der Friedhof zu einem städtebaulichen Gesamtkunstwerk geworden.
Dortmund. 
  • Hauptfriedhof
  • Am Gottesacker 25, 44143 Dortmund
  • Eigentümer: Stadt Dortmund
  • Baujahr: 1920-24
  • Stadtbaurat Strobel, Gartenarchitekt Allinger, Hochbauarchitekt Wentzler
  • Denkmalschutz
  • Besonderheit: Der Hauptfriedhof ist die größte Grünanlage Dortmunds und einer der größten Friedhöfe in Deutschland.
  • Info: Bedingt durch das Bevölkerungswachstum in der Industrialisierung musste ein neuer Friedhof her. 1920 begann die Herrichtung des Geländes — 1924 war der Friedhof fertig. Aber schon 1921 fand die erste Beisetzung statt: Das Grab der Wilhelmine Baecker liegt noch heute im Feld 4. Das bewegte Relief des Geländes wurde in die gärtnerische Gestaltung einbezogen. Drei große Achsen bilden das Grundgerüst der im historistischen Stil entstandenen Friedhofsanlage, die mit ihren freien Rasenflächen, den alten Bäumen und dem Teich mit den schwarzen Schwänen zu einem Gesamtkunstwerk geworden ist. 1924 wurden die Hauptgebäude im Stil der neuen Sachlichkeit eingeweiht. Um einen offenen Hof gruppieren sich Trauerhalle, Verwaltungsgebäude, altes Krematorium und Arkadengang. (nach: route-industriekultur.de)
30 Architektur-Tipps aus Dortmund

"Meist ist es ein trauriger Anlass, der uns mit Friedhöfen bekannt werden lässt. So war es auch bei mir mit dem Dortmunder Hauptfriedhof. Der Tod meiner Mutter ließ mich zum ersten Mal Größe und Schönheit dieser Parkanlage erkennen. Zwar war ich schon Jahre zuvor hier, aber damals waren mir die Qualitäten nicht aufgefallen.

Wenn ich dagegen heute durch diesen enormen Park schlendere, genieße ich die langen Blickachsen, die durch Täler verlaufen, die in weiter Ferne von einer kleinen Bruchsteinbogenbrücke gekreuzt werden oder durch einen Nadelwald verlaufen, wo der Blick von einem kleinen Rundbau gefangen wird — es sind zwar nur die profanen WC-Anlagen, aber offensichtlich mit der Qualität der 20er.

Beim Blick auf den Lageplan entdeckt man das System einer organischen Planung, die Stadtbaurat Strobel zusammen mit den zwei Architekten entwickelt und deren Ausgang die romantische Architektur von Trauerhalle, Verwaltungstrakt und Kolumbarium bildet.

Alle Wege führen zurück zum Trauerschwan

Im letzten Sommer in Hamburg habe ich den Ohlsdorfer Friedhof besichtigt, den größten Parkfriedhof Europas, und im Vergleich dazu muss ich sagen: Größe ist nicht Alles. Die Dortmunder Dimension ist wunderbar für einen ausgiebigen Spaziergang geeignet, den man auch ohne Wanderschuhe bestreiten kann — in Hamburg dagegen kann man sich verirren.

Alle Wege führen über kurz oder lang zum Teich mit dem einsamen Trauerschwan zurück. Wer sein Maß an Morbidität auch beim Anblick dieser schwarzen Schönheit noch nicht vollständig erreicht haben sollte, dem sei das gegenüber liegende Café auf dem Hohwart ans Herz gelegt. Noch so ein Ort,an dem die Zeit aufs Angenehmste still zu stehen scheint und dessen freundlich professioneller Chef nebenbei noch eine selbstzubereitete köstliche Wildsalami für die Trauernden bereit hält."

Richard Schmalöer, Architekt aus Dortmund