Architektur-Führer Dortmund — Borsigplatz und Nordstadt

Der Borsigplatz — im Norden die Reste der Westfalenhütte (Hoesch).
Der Borsigplatz — im Norden die Reste der Westfalenhütte (Hoesch).
Foto: Hans Blossey
Hier strahlt er noch, der Glanz der Jahrhundertwende. Wer auf der Mitte des riesigen Borsigplatz-Kreisels steht (und den Verkehr um sich herum ausblendet...) sieht mit ein bisschen Fantasie Kutschen und erste Autos an den herrschaftlichen Häusern vorüberziehen.

Dortmund. Borsigplatz und Nordstadt (Städtebau)

  • Borsigplatz, 44145 Dortmund
  • Entstehung: um 1910
  • Denkmalschutz
  • Dortmunds größter Kreisverkehr ist das Verbindungsglied zwischen Innenstadt/Nordstadt und den östlichen Stadtteilen, den Nachbarstädten und Autobahnen. Der Borsigplatz ist die Wiege des BVB: Hier wurde in einer kleinen Gaststätte 1909 der Verein gegründet — die Weiße Wiese in der Nähe war erster Trainingsplatz. Heute gilt der Borsigplatz trotz seiner herrschaftlichen Bebauung als Problemviertel. Er hat eine der höchsten Feinstaubbelastungen der Stadt, weshalb hier die kürzeste Umweltzone Deutschlands entstand.
  • Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs die Stadt rasant — auch dank der Industrie, wie die Westfalenhütte/Hoesch in der Nordstadt. Neue Verkehrswege mussten her. Zwischen 1870 und 1910 entstanden dadurch Straßen, die sich zufällig an einem Punkt in der östlichen Nordstadt trafen: Der Plan zum späteren Borsigplatz war geboren. (nach: Hans Magoley und Norbert Wörner, "Dortmund Architekturführer")
30 Architektur-Tipps aus Dortmund

"Großstadtflair im Nordosten der Innenstadt, schöne Altbaufassaden, vor 100 Jahren von stolzen Bauherren errichtet und heute von fast ebenso stolzen Wohnungsbaugesellschaften wie dem Spar- und Bauverein gehegt und gepflegt. Ein Glücksfall für unsere Stadt und besonders für den Norden — ein Zeichen aber auch für das, was an Qualität gerade hier im oft verschmähten Teil des Stadtgebiets schlummert.

Ich empfehle jedem, der die Nordstadt nicht kennt, zum Überwinden seiner eventuellen Ressentiments einen geführten Rundgang durch das Viertel, wie ich ihn vor einiger Zeit mit den Organisatoren der „Nordstadtverführungen“ gemacht habe. Nirgendwo in Dortmund gibt es eine größere Dichte an Baudenkmälern als hier.

Nirgends gibt es mehr Baudenkmäler als hier

Dafür steht exemplarisch der wunderschöne, kreisrunde Borsigplatz, der den gründerzeitlichen Wandel Dortmunds hin zur Großstadt dokumentiert, dessen mysteriöse Verkehrsführung allerdings den Eindruck einer Metropole gleich wieder konterkariert. Denn in einer wahren Metropole käme niemand auf die Idee, den kontinuierlichen Bewegungsfluss eines Kreisverkehrs durch Ampeln zu blockieren.

Da hätte ich mir mehr Mut und Vertrauen in die Intelligenz der Verkehrsteilnehmer gewünscht — aber das wünschen sich Architekten oft vergeblich, wenn Verkehrsplaner am Werk sind."

Richard Schmalöer, Architekt aus Dortmund