Architektur-Führer Dortmund — Arbeitersiedlung Oberdorstfeld

Siedlung Oberdorstfeld, Dortmund
Siedlung Oberdorstfeld, Dortmund
Foto: Katrin Figge
Die Siedlung Oberdorstfeld ist eine typische Bergarbeitersiedlung. So etwas will man sehen, wenn man ins Ruhrgebiet kommt. Ein Klassiker. Leider sehen das nicht alle Bewohner so: Die riesige Siedlung drohte ihren Denkmalstatus zu verlieren — weil ihre Bewohner die Gestaltungssatzung umgehen.
Dortmund. 
  • Siedlung Oberdorstfeld
  • z.B. Dickebank, Karlsglück, Knappenstraße, Zechenstraße, 44149 Dortmund-Dorstfeld
  • Baujahr: 1913-1927
  • Architekt: Oskar Schwer, Erweiterung Otto Salvisberg
  • droht Denkmalschutz zu verlieren
  • Besonderheit: 1993 wurde die Siedlung in die Denkmalliste der Stadt Dortmund eingetragen — und drohte 2013 diesen Status wieder zu verlieren. Die Bewohner waren zu lasch mit der Gestaltungssatzung umgegangen.
  • Info: 1912 beantragte die Gewerkschaft Dorstfeld 150 Häuser für Zechenarbeiter und Beamte in der Wittener- und Fritz-Funke-Straße. Im Bauantrag kündigte Generaldirektor Ernst Tengelmann eine „Colonie“ an, die in gesundheitlicher, wirtschaftlicher und schönheitlicher Hinsicht allen Anforderungen entsprechen sollte. Der Entwurf „halb-ländliche Industriesiedlung“ von Oskar Schwer wird geprägt durch das Gartenstadtkonzept: keine starren Fluchten, Auflockerung durch verschiedene Haustypen, Gliederung der Baukörper, abwechslungsreiche Straßenräume, großzügige Haus- und Vorgärten. (nach: Untere Denkmalbehörde der Stadt Dortmund, "Gestaltungsfibel Werkssiedlung Oberdorstfeld")
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"Zwei Jahre lang ging ich hier mehr oder weniger ein und aus, als Vermittler zwischen den sich teilweise schikaniert gefühlten Bewohnern und Eigentümern der kleinen Bergarbeiterhäuser in Oberdorstfeld und den „Schikaneuren“ der Denkmalbehörde.

Die Interessen schienen gegenläufig. Aber: Sie waren es nicht. Beide Seiten wollten eine lebenswerte Siedlung im Sinne der Howard'schen Gartenstadt-Bewegung. Aber auch da war jedem Einzelnen das Hemd näher als die Jacke. Soll heißen: Für die eigenen Umbaupläne wurde der Blick aufs Ganze schon mal ausgeblendet.

Dass sich aber die Schönheit und Qualität dieses Quartiers aus der aufeinander abgestimmten Vielfalt der thematischen Variation speist, war mitunter schwer zu vermitteln, wenn das individuelle Bauvorhaben dadurch eingeschränkt wurde.

Besitzer sehen Denkmalschutz als "Schikane"

Ob wir etwas ausrichten konnten? Bei den Projekten, die wir beraten und betreut haben, schon ein wenig. Da aber sowohl vor als auch nach unserem zweijährigen Intermezzo viel baumarkttypisches appliziert wurde, hat das Gesamtbild der Siedlung schwer gelitten — der Denkmalstatus steht sogar in Frage.

Und ich wiederum frage mich, ob ich nicht einfach mit einem Megafon hätte durch die Straßen gehen und es laut in die Bergarbeiterhäuser hätte rufen sollen: „Ihr habt es schön hier, wirklich schön! Bitte versucht, es zu erhalten!“

Richard Schmalöer, Architekt aus Dortmund