Anzeigen gegen Wachpersonal - fast die Hälfte betrifft Erstaufnahme in Dortmund

Gaby Kolle
Die Erstaufnahme-Einrichtung in Dortmund-Hacheney ist neben Bielefeld der einzige Ort in NRW, wo Flüchtlinge sich melden können. Foto: Dieter Menne
Die Erstaufnahme-Einrichtung in Dortmund-Hacheney ist neben Bielefeld der einzige Ort in NRW, wo Flüchtlinge sich melden können. Foto: Dieter Menne
Foto: Dieter Menne
Gewalt gegen Asylbewerber: Fast die Hälfte der jetzt bekannt gewordenen Strafanzeigen gegen Wachpersonal in NRW-Flüchtlingsheimen betrifft die Erstaufnahme in Dortmund-Hacheney. 22 der landesweit 48 Strafverfahren in den Jahren 2013 und 2014 richteten sich gegen dortige Sicherheitsdienst-Mitarbeiter. Die Behörden haben dafür eine einfache Erklärung.

Dortmund. 22 der 48 Strafanzeigen gegen Wachpersonal in NRW-Flüchtlingsheimen richtet sich gegen Mitarbeiter im Erstaufnahmelager Dortmund-Hacheney. Alle Dortmunder Fälle spielten in der Erstaufnahme, das Flüchtlingsheim im Grevendiecks Feld ist nicht betroffen. In 21 Verfahren aus der Zeit zwischen Januar 2013 und September 2014 werfen Flüchtige dem Personal Körperverletzung vor, in einem Fall ist Nötigung der Vorwurf. Allerdings sind laut Oberstaatsanwältin Dr. Barbara Vogelsang bereits 14 Verfahren eingestellt. In vier Fällen ermittelt noch die Polizei.

Zeugen nicht mehr greifbar

Zwei Verfahren laufen gegen Unbekannt, da Zeugen zur Identifizierung der Täter nicht mehr greifbar sind und auch der Aufenthaltsort desjenigen, er die Anzeige erstattet hat, zurzeit nicht bekannt ist. Zwei Verfahren, so Dr. Vogelsang, habe die Dortmunder Staatsanwaltschaft an die jetzige Wohnort-Staatsanwaltschaft der Beschuldigten weitergegeben, weil diese erst 20 Jahre alt seien.

Bei einem der eingestellten Verfahren sei es zu einer Anklage wegen Nötigung vor dem Amtsgericht gekommen, berichtete die Oberstaatsanwältin. Nach einem Freispruch habe die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Doch weil der Beschuldigte nicht mehr auffindbar sei, sei auch dieses Verfahren schließlich eingestellt worden.

80 Prozent aller Asylbewerber kommen nach Dortmund-Hacheney

Die vergleichsweise hohe Zahl der Verfahren in Dortmund lasse sich erklären, meint Frank Scheulen, Sprecher des Landeskriminalamtes in Düsseldorf. Es handele sich im Gegensatz zu anderen betroffenen Flüchtlingsunterkünften in Dortmund-Hacheney um eine große Einrichtung mit mehreren hundert Plätzen, einem schnellen Wechsel der Asylbewerber und Konflikten unter vielen ethnischen Gruppen. 80 Prozent aller Asylbewerber in NRW kommen nach Hacheney. Dabei könne es schnell zu Gerangel kommen. Polizeieinsätze seien dann nicht ungewöhnlich.

Scheulen und auch Wolfgang Beus, Pressesprecher des NRW-Innenministeriums für Polizeiangelegenheiten, hatten sich zu Einzelheiten der Dortmunder Fälle bedeckt gehalten. Beide sprachen von einem "Zwischenstand" bei den Ermittlungsverfahren.

Dortmunder Pfarrer meldete Verdacht auf Misshandlung

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass ein Pfarrer aus dem Klinikum Nord die Stadt Dortmund und die Polizei von einem Verdacht auf Misshandlung unterrichtet und Anzeige erstattet hatte. Dieser Fall, so Stadtsprecher Udo Bullerdieck, sei laut Polizei in keiner Weise mit den Misshandlungen in Burbach zu vergleichen.