Ansturm an der TU: „Alle sind versorgt!“

Gerald Nill
Rektorin Prof. Dr. Ursula Gather.
Rektorin Prof. Dr. Ursula Gather.
Foto: Franz Luthe

Dortmund. Einen Vorgeschmack auf den „Doppeljahrgang“, der 2013 aufgrund der verkürzten Gymnasialzeit auf die Hochschulen zukommt, erlebt die TU Dortmund bereits in diesem Semester. Mit 5000 Studienanfängern und insgesamt knapp 25 000 Studenten erlebt die TU einen lange nicht gekannten Ansturm.

Um bis zu 45 Prozent mehr Studienbeginner als im Vorjahr hätten aufgenommen werden müssen. Zum Beispiel bei den Bauingenieuren (plus 290 Studenten) sowie in der Wirtschaftsmathematik. „Wir schaffen das“, sagte Rektorin Prof. Ursula Gather gestern im Interview. „Alle haben einen Platz in den Pflichtseminaren gefunden,“ versichert sie. „Alle sind versorgt.“ Auch wenn dies nicht immer zum Wunschtermin möglich sei. Im letzten Jahr hatte es noch in der Germanistik erhebliche Kapazitätsprobleme gegeben.

Gather ist glücklich, dass gerade die sogenannten MINT-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik einen neuen Boom erleben und stark nachgefragt sind. „Die Jugend wendet sich wieder der Technik zu“, beobachtet die Rektorin. „Das war unser Wunsch.“

Arbeitspätze von morgen

Offensichtlich hätten die Jugendlichen begriffen, dass es hier die Arbeitsplätze von morgen gebe. So seien in der Physik die Neuaufnahmen um 36 Prozent gestiegen. „Wir sind schon fast da, was wir 2013 realisieren müssen“, erklärte Gather im Hinblick auf den doppelten Entlassjahrgang. Eine Arbeitsgruppe plane seit eineinhalb Jahren an der Bewältigung des zu erwartenden Ansturms von 20 Prozent zusätzlichen Anfängern.

Es müssten für einen gewissen Zeitraum zusätzliche Lehrkräfte gefunden werden. Und es müssten räumliche Kapazitäten geschaffen werden. Dazu werde die TU auch am angrenzenden Technologiezentrum sowie im Technopark weitere Räume anmieten.

Neubauten für den Ansturm in 2013

Ein Glücksfall sei es, dass dann der Neubau Chemie/ Physik (für 106 Millionen Euro) zur Verfügung stehe - und auch der Altbau durch ein geschicktes Gebäudemanagement und Sanierung im laufenden Betrieb zur Verfügung stehe. Neben dem Mathe-Tower werde außerdem ein Anbau entstehen.

In der Diskussion um die akademischen Titel (Diplom bzw. Bachelor und Master) arbeite die TU weiter daran, dass der international hoch geschätzte „Dipl. Ing.“ zumindest auf der Rückseite des Zeugnisses wieder aufgeführt werde. „Die Technischen Universitäten werden das weiter fordern“, so Gather. Das habe aber keine Auswirkungen auf den sogenannten Bologna-Prozess. Gather: „Es gibt keinen Weg zurück.“ Die TU habe die Kritik an den Kinderkrankheiten von Bachelor und Master begriffen und schon manches korrigiert. Bei der Prüfungsdichte und der Anwesenheitspflicht sei nachgebessert worden. Mit dem AStA sei sie regelmäßig weiterhin im Gespräch, versicherte die Rektorin.

Wenn die Studiengebühren, wie von der Landesregierung geplant, im nächsten Jahr wieder abgeschafft würden, rechnet die TU-Rektorin mit einem Ausgleich durch das Land in entsprechender Höhe. Aktuell fließen 12 Mio. Euro pro Semester aus Studenten-Portemonnaies in den TU-Etat. Studenten sorgten sich schon heute, ob die hieraus finanzierten Tutorien, Arbeitsplätze und Bibliotheksöffnungszeiten dann erhalten blieben, verriet Gather.