Angehörige und Freunde nehmen Abschied von Hilbert Homberg

Wenn ein Musiker geht, sind Andacht und Beerdigung besonders. Am Montag verabschiedeten sich über 200 Angehörige, Freunde, Weggefährten von Hilbert Homberg, Jazz-Urgestein, Gitarrist, Mitbegründer des Siggi-Gerhard-Swingtetts, am 11. August mit 82 Jahren gestorben.

Dortmund.. Wie es sich beim Abschied von einem Swing-Fan und verdienten Musiker gehört, ertönt Jazz in der Nicolaikirche an der Lindemannstraße: Ella Fitzgeralds "My One And Only Love". Pfarrer Martin Tulhoff erinnert daran, dass Fitzgeralds Musik auch die von Homberg war. Tulhoffs Gebet gilt allen, "denen Gott die Musik als Geschenk in den Schoß gelegt hat".

Homberg war so einer. Bandleader Siggi Gerhard (83) ist es noch. Auch er ist gekommen, um seinem Freund das letzte Geleit zu geben. Als blutjunge "Swing-Kids" haben beide im Krieg heimlich BBC gehört und dabei Benny Goodman entdeckt. Was also spielen Gerhard und vier Mitstreiter zu Ehren des Verstorbenen in St. Nicolai? "Moonglow" von Goodman. "Das war Hilberts absolutes Lieblingsstück", erzählt Siggi Gerhard später.

Große Leidenschaft

Wie ein Mosaik setzt sich in der Kirche ein Leben zum Porträt zusammen: Pfarrer Tulhoff erinnert daran, dass Homberg 1945 eben an diesem Ort konfirmiert wurde. Seine tröstenden Worte gehen an Kinder und Enkel und besonders an Hombergs Witwe Christa, die 49 Jahre mit ihm verheiratet war. Die Familie war Homberg wichtig, auch "seine" Hansa-Brauerei (er war Diplom-Kaufmann) und, na klar - der Swing, seine große Leidenschaft.

Ein Kamerad aus Würzburger Studententagen hat Hombergs Offenheit und Hilfsbereitschaft im Gedächtnis, seinen trockenen Witz, sein Akkordeonspiel, Jazz auf einer Dampferfahrt. Musik begleitete Homberg durchs Leben. Akkordeon, Gitarre, Banjo, 1953 die Gründung des Siggi-Gerhard-Swingtetts, dem er immer die Treue hielt.

Weggefährten

"Hilbert hat die Band zusammengehalten. Er war nicht bloß Musiker. Er war es, der uns Auftritte und Jobs besorgt hat. Ohne ihn kein Swingtett", gesteht Siggi Gerhard, als die Trauergemeinde Hombergs Grab auf dem Südwestfriedhof zustrebt. "Ich denke immer daran, wie komisch Hilbert war", erzählt Jazz- und Blues-Sängerin Beverly Daley. "Wenn er bei Konzerten in Laune für witzige Ansagen war, habe ich vor Lachen nicht mehr singen können. Ein toller Typ."

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