Am Klinikum Dortmund droht ab 26. Januar wieder Ärztestreik

Ein Arbeitskampf droht am Klinikum Dortmund ab 26. Januar                                   Foto: Alex Völkel
Ein Arbeitskampf droht am Klinikum Dortmund ab 26. Januar Foto: Alex Völkel
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Nach einem klaren Votum für Arbeitskampfmaßnahmen droht auch am Klinikum Dortmund ein Ärztestreik. Ab dem 26. Januar könnten die rund 500 Ärzte dort die Arbeit niederlegen. Die Klinik-Leitung will bis zum möglichen Ärztestreik-Beginn mit der Gewerkschaft eine Notdienstvereinbarung ausarbeiten, um lebenswichtige Dienste aufrecht zu halten.

Dortmund.. Mit 92,7 Prozent haben sich die Mitglieder des Marburger Bundes in den kommunalen Kliniken für einen Ärztestreik entschieden. Die Gewerkschaft berät aktuell über die Aufnahme von unbefristeten Arbeitskampfmaßnahmen. Der Marburger Bund-Vorsitzende Rudolf Henke erwartet den Streikbeginn für den 26. Januar. Der Streikaufruf werde alle rund 600 kommunalen Krankenhäuser im Tarifbereich der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) betreffen.

Jeder dritte Krankenhausarzt in Deutschland arbeitet in einer kommunalen Klinik. Am Dortmunder Klinikum sind rund 500 Ärzte beschäftigt. Der Organisierungsgrad dort ist sehr hoch; die meisten Mediziner sind beim Marburger Bund, eine Minderheit bei Verdi.

„Wir wissen noch noch, ob und in welchem Ausmaß wir vom Streik betroffen sein werden“, erklärte gestern Jörg Kühn, Sprecher des Klinikums. Erfahrungsgemäß sehe eine Notdienstvereinbarung vor, dass sensible Einheiten wie die Notaufnahme, die Kinderklinik und die Onkologie vom Arbeitskampf ausgenommen blieben. Dafür wurden verschiebbare Operationen in der Vergangenheit abgesetzt.

Sechs Wochen Arbeitskampf im Frühjahr 2010

Aufgrund des hohen Organisationsgrades hat ein Ärzte-Streik am Klinikum weitreichende Folgen. Unvergessen ist am Klinikum der sechswöchige Arbeitskampf im Frühjahr 2010. Damals ruhte die Arbeit sechs Wochen lang. Dadurch wurde ein Verlust von drei Millionen Euro eingefahren. So etwas dürfe sich in diesem Jahr, zu einer Zeit der Inbetriebnahme des 92 Millionen Euro teuren OP-Traktes nicht wiederholen. „Dann wird’s eng“, so Kühn, der daran erinnert, dass das Klinikum in diesem Jahr endlich einen Gewinn einfahren will.

Hingegen erklärt der Marbuger Bund: „Das Votum unserer Mitglieder ist ein klares Signal der Streikbereitschaft und eine große Rückenstärkung in der aktuellen Tarifauseinandersetzung mit der VKA“, so Henke.

1,8 Prozent mehr Gehalt sind zu wenig

Die Ärztegewerkschaft will sich nicht mit rund 1,8 Prozent Gehaltszuwachs abspeisen lassen. „Die Rechnung der Arbeitgeber geht völlig an der Realität vorbei“, so der Marburger Bund. „Die Krankenhäuser haben in den ersten drei Quartalen 2011 einen tatsächlichen Erlöszuwachs von 4,2 Prozent erzielt.“ Das Angebot der Arbeitgeber bewege sich „weit unterhalb der durchschnittlichen Inflationsrate“.

Der Marburger Bund fordert eine lineare Erhöhung der Gehälter um sechs Prozent. Auch die Forderungen des Marburger Bundes nach verbindlichen tarifvertraglichen Regelungen zur Verbesserung der Arbeitssituation in den Bereitschaftsdiensten werde abgelehnt. Dabei leistet nach Angaben des Marburger Bundes leistet mehr als die Hälfte Ärzte in kommunalen Kliniken pro Monat durchschnittlich fünf bis neun Bereitschaftsdienste.

 
 

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