Altes VHS-Gebäude: Stadt denkt über Neubau nach

Der Löwenhof und die Volkshochschule (VHS): ein Abschied auf Raten? Die Deckenstatik weist so große Schäden auf, dass eine Sanierung für VHS-Zwecke nicht unter 30 Millionen Euro zu haben wäre. Die Stadt prüft bereits einen Neubau an anderer Stelle.

Dortmund. Schon im Mai soll eine Machbarkeitsstudie vorliegen, an welchem Standort die VHS mit ihren rund 10.000 Quadratmetern Nutzfläche künftig unterkommen könnte. Dabei wird auch die Möglichkeit für einen Neubau "im Rücken" der Emschergenossenschaft an der Brinkhoffstraße untersucht.

Die Überlegungen gehen aber noch weiter: Oberbürgermeister Ullrich Sierau, vormals Dortmunds Planungsdezernent, soll den Anstoß gegeben haben, das Quartier mit dem früheren AOK-Gebäude, dem Bürohaus der Emschergenossenschaft und einem VHS-Neubau im Schatten der neuen Berufsschulen am U zu einer kleinen "Dortmunder Bildungs- und Weiterbildungsmeile" zu entwickeln.

Da passt es ins Bild, dass die Verwaltung bereits umplant: Nicht mehr die Rechnungsprüfer und das Beschaffungsamt sollen ins frühere AOK-Gebäude ziehen, sondern das Schul- und das Schulverwaltungsamt, flankiert vom Studieninstitut.

Risse in der Decke

Der Löwenhof ist inzwischen leer gezogen, die Seminare und Kurse der VHS finden in anderen Räumlichkeiten statt. Bei Brandschutzarbeiten im Mai 2015 waren erstmals Risse in der Decke des 1. OG entdeckt worden.

Inzwischen hat eine Firma für Bauwerksuntersuchung und Betontechnologie das fünfgeschossige Gebäude untersucht. Nach je sechs Kernbohrungen in allen Etagen war klar: Im oberen Bereich der Decken fehlt die Eisenbewehrung komplett - in den unteren Deckenbereichen ist sie zur Hälfte vorhanden.

Bürohaus oder Wohnhaus

Auch die Betongüte lässt zu wünschen übrig: Manche Decken sind 14 Zentimeter dick, andere gerade 6 Zentimeter. Die Konsequenzen beschreibt VHS-Direktor Heinz Bünger so: "Nach ersten Schätzungen wird eine Sanierung für die schulischen Zwecke der VHS nicht unter 30 Millionen Euro zu bekommen sein." Billiger könnte die Sanierung hingegen werden, wenn das Gebäude künftig als reines Bürohaus genutzt oder seine Inneres in Wohnraum umgewandelt würde. Beide Modelle sollen ebenfalls berechnet werden.

Parallel dazu gehen die Statik-Prüfungen innerhalb des Gebäudes in eine neue Runde. Dazu werden in Kürze alle Abhängedecken aufgebrochen, um die drei schwächsten Punkte in der Gebäudestatik zu finden. Genau dort werden anschließend Stahlträger installiert, mit denen die Statik des Hauses einer "Belastungsprobe" unterzogen werden soll. Die Arbeiten werden von der "Ingenieurgesellschaft für Experimentelle Statik" (IGES) in Bremen gemanagt. Bis Jahresende sollen ihre Ergebnisse vorliegen.

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