Alles gut beim BVB – wenn nur die Polizei nicht wäre

Der nervige Konflikt mit Robert Lewandowski ist beigelegt. Für Diskussion beim BVB sorgt jetzt die Polizei.
Der nervige Konflikt mit Robert Lewandowski ist beigelegt. Für Diskussion beim BVB sorgt jetzt die Polizei.
Foto: Ina Fassbender/Reuters
Beim BVB gibt es derzeit nichts zu beklagen — zumindest aus sportlicher Sicht. Drei Spiele, drei Siege, Tabellenführung. Selbst der Konflikt mit Robert Lewandowski ist beigelegt. Eigentlich alles gut. Aber Dank der Polizei gibt es nach dem Heimspiel gegen Braunschweig dennoch Diskussionsbedarf.

Dortmund.. Sportlich gibt es für Fans von Borussia Dortmund derzeit fast nichts zu beklagen (wenn man von der unglücklichen Niederlage der BVB-Amateure mal absieht): Drei Siege in drei Spielen, Spitzenreiter und glaubt man den Statistiken, dann endet ein solcher Saisonstart mit nichts geringerem als der Meisterschaft. Selbst der seit längerem nervende Konflikt mit Robert Lewandowski ist inzwischen beigelegt. Eigentlich alles gut... ja wenn nicht die Freunde und Helfer für Diskussionen sorgen würden.

Als politisch Verantwortlicher für die nordrhein-westfälische Polizei müsste sich Innenminister Ralf Jäger (SPD) beglückwünschen lassen. Die Nominierung für den Friedensnobelpreis ist das Geringste, was er erhalten sollte. Schließlich hat die ihm unterstellte Polizei des Landes etwas geschafft, was Kenner für quasi unmöglich hielten: Die de facto-Verbrüderung der Fanszenen von Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04.

Beim Heimspiel des BVB gegen Eintracht Braunschweig waren die polizeilichen Maßnahmen gegen die Dortmunder Ultras schon mehr als befremdlich (und zeugten doch von einer gewissen Inkonsequenz, denn irgendwelche Plakate, die sich gegen den Sohn einer ehrenwerten Mutter aus dem Kraichgau richten könnten, erwartet man sicherlich nicht bei einem Heimspiel gegen Braunschweig).

Die Widersprüche zwischen den Aussagen der Fans und der Polizei danach sorgten für ein gewisses Unbehagen.

„Verhältnismäßigkeit“ fällt einem bei Schalke-Aktion kaum ein

Doch es ging dann noch eine Stufe weiter: Beim Champions League-Qualifikationsspiel des FC Schalke 04 gegen PAOK Saloniki kündigten die griechischen Fans einen Platzsturm an, weil sie sich von einer roten Flagge provoziert fühlten.

SPEZIAL Wer die Turnhalle kennt, der weiß, dass ein Platzsturm der Gästefans ein ziemlich verwegenes Unterfangen ist, denn eigentlich ist so etwas von dort aus nicht wirklich machbar. Doch anstatt die Polizei bei den potentiellen Angreifern und Spielstörern zusammenzuziehen, entschied man sich, auf der anderen Seite im Schalker Block aufzuräumen. Schließlich hing dort die angeblich volksverhetzende Fahne. Woher diese Volksverhetzung resultierte, das konnte auch am Tag danach die Polizei Gelsenkirchen nicht beantworten, aber wenn man damit die Polizeimaßnahmen begründet, dann muss das ja auch so richtig sein... Der Blocksturm der Polizei sorgte für unschöne Szenen, denn wenn – wie berichtet wurde – auch Sanitäter mit Pfefferspray angegriffen werden, dann fällt einem das Wort „Verhältnismäßigkeit“ nicht als erstes dazu ein.

Doch sorgten diese Maßnahmen für eine fast schon einzigartige Einheit unter den Fußballfans, die am vergangenen dritten Spieltag sich explizit damit beschäftigten. Es dürfte wohl das erste Mal gewesen sein, dass auf der Südtribüne der FC Schalke 04 mit dem blau-weiß geschriebenen „GE“ adressiert – und nicht gleichzeitig verhohnepipelt oder angegriffen – wurde:

Fans reagierten mit kreativen Bannern

„Das wahre Gesicht der Polizei NRW: Sonntag bei uns, Mittwoch in GE“ - so lautete eines von vielen Plakaten in Dortmund, die sich damit beschäftigten. Beim Spiel von Bayer Leverkusen gegen Borussia Mönchengladbach waren die Leverkusener Fans auch sehr kreativ: „Ägypten 3.079 km, Türkei 2.021 km, Russland 2.081 km - Warum in die Ferne schweifen? Polizei NRW“

Humor ist, wenn man trotzdem lacht – und so griffen die Gladbacher Fans die aus ihrer Sicht deutlich überteuerte Preispolitik Leverkusens auf: „67 Euro für ein Ticket? Preise senken oder wir holen die Polizei GE!“ In Mainz stellte man die philosophische Frage: „Und wer überwacht die Wächter? Kennzeichnungspflicht für Polizisten jetzt!“

Selbst in Hannover, die ja an diesem Bundesliga-Spieltag die Schalker zu Gast hatten, solidarisierte man sich mit den Gästen – oder sollte der gewagte Spruch „Rote Tücher reizen dumme Bullen“ sich eher auf den Stierkampf denn auf aktuelle Ereignisse beziehen?

Ob der Einsatz Konsequenzen zeigen wird, wird sich zeigen. Der nordrhein-westfälische Innenausschuss soll sich in seiner nächsten Sitzung mit genau diesem Thema beschäftigen.

Ungeschicktes Timing bei Postkarten-Aktion der Jusos

Am Rande erwähnt: Seitens der Jusos verteilt man derzeit an Bundesligastadien Postkarten, die Ulrich Hoeneß und Angela Merkel beim Händeschütteln in Wembley zeigen. Die Bildunterschrift „Glückwunsch Uli! Wir Steuern das schon“ spielt natürlich auf das Steuerverfahren gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden des FC Bayern München an.

Es ist sicherlich legitim, das Thema Steuerumgehung im Wahlkampf zu thematisieren und auch Fußballfans interessieren sich da sicherlich für (wie schon einige Stadiongesänge aufzeigten). Politisch gesehen ist es jedoch sicherlich vom Timing her ungeschickt, gerade dann die Fans von Borussia Dortmund und FC Schalke 04 mit diesen Postkarten auszustatten, wenn die umstrittenen Polizeieinsätze gerade erst wenige Tage her und noch lange nicht aufgeklärt sind. Hätten die Jusos einige ihrer Themen, wie z.B. die Forderung nach einer Kennzeichnungspflicht für Polizisten (übrigens ein Thema des rot-grünen Koalitionsvertrages, was aber seitdem nicht mehr angegangen wurde) oder des Verbotes von Reizgaseinsatz formuliert, wäre man bei den Fans sicherlich eher auf Verständnis gestoßen...

www.gibmich-diekirsche.de

 
 

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