Akustik-Attacke gegen BVB-Fans aufgeklärt

Im Spiel bei der TSG 1899 Hoffenheim wurden Dortmunder Fans durch schrille Töne gestört. Der Verursacher der Akustik-Attacke gegen die BVB-Anhänger war ein Hausmeister. Foto: imago
Im Spiel bei der TSG 1899 Hoffenheim wurden Dortmunder Fans durch schrille Töne gestört. Der Verursacher der Akustik-Attacke gegen die BVB-Anhänger war ein Hausmeister. Foto: imago
Ein Hausmeister von 1899 Hoffenheim beschallte die Dortmunder Anhänger mit Hochfrequenztönen. Er soll ohne Kenntnis der Verantwortlichen gehandelt haben.

Sinsheim/Dortmund. Der Täter ist gefunden. Am Montagabend bestätigte die TSG Hoffenheim, dass sie den Verantwortlichen für die Hochfrequenztöne, mit denen am Samstag der Gästeblock im Stadion in Sinsheim beschallt worden war, ausfindig gemacht hat. Es ist ein langjähriger Mitarbeiter des Vereins, mutmaßlich ein Hausmeister. Er soll auf eigene Faust und ohne Kenntnis der Klubführung gehandelt haben.

Das Bundesligaspiel des BVB in Hoffenheim hat somit ein juristisches Nachspiel. Erste Anhänger des Deutschen Meisters hatten bereits am Nachmittag Strafanzeige erstattet, zu diesem Zeitpunkt noch gegen Unbekannt. Die Polizei Heidelberg als zuständige Behörde hatte Ermittlungen gegen die TSG Hoffenheim aufgenommen. Der gezielte Einsatz von Hochfrequenztönen gegen den Dortmunder Anhang könnte den Tatbestand der Körperverletzung erfüllen.

„Ich habe es zunächst für unmöglich gehalten. Aber der rollbare Lautsprecher, der unter einem Werbebanner des Gästeblocks stand, war von Anfang an der Beweis“, sagt BVB-Fan André Arendsee.

Thilo Danielsmeyer vom Dortmunder Fanprojekt stand direkt neben diesem Ding. „Es wurde mir sogar erklärt.“Demnach habe jemand hinter dem Tor gesessen und den Lautsprecher immer dann eingeschaltet, wenn Schmähgesänge gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp angestimmt wurden. „Es war ein Bollerwagen mit zwei Lautsprechern. Der wurde bewusst dahin gefahren. Und der komplette Ordnungsdienst für den Gästeblock wusste Bescheid“, sagt Danielsmeyer. Er begründet: „Der Gästeblock ist immer eine­ Hochsicherheitszone. Da kommt keiner einfach so rein.

BVB-Fan erstattete Anzeige

Seit Montag, 14.20 Uhr, ist der BVB-Fanbeauftragte Jens Volke persönlich von der ersten Anzeige gegen Unbekannt in Kenntnis gesetzt. „Ein BVB-Fan aus Pforzheim hat Anzeige erstattet. Er ist krank geschrieben worden wegen eines Gehörsturzes“, so Volke. „Wir prüfen den Verdacht der Körperverletzung“, bestätigt Polizeisprecher Harald Kurzer.

In den BVB-Fanforen wird bereits über ei­nen Protest ge­gen die Spielwertung diskutiert. Den müsste der Klub einlegen – der aber hat eine eindeutige Haltung. „Nein! Wir werden nicht tätig“, sagt BVB-Mediendirektor Josef Schneck auf Anfrage von DerWesten.

Tätig geworden sind indes die Hoffenheimer. Ergebnis: „Im Laufe des Tages hat sich auch unter dem Eindruck der Medienreaktion ein Mitarbeiter der TSG 1899 dazu bekannt, am Samstag während des Spiels gegen Dortmund eine entsprechende Apparatur eigenmächtig zum Einsatz gebracht zu haben. (...) Der Mitarbeiter hat eingeräumt, dass er sich der Tragweite seiner Handlung nicht bewusst war“, heißt es in einer am Abend verbreiteten offiziellen Stellungnahme der TSG Hoffenheim.

Die entsprechenden arbeitsrechtlichen und disziplinarischen Schritte gegen den Mitarbeiter seien eingeleitet worden. „Alle Verantwortlichen distanzieren sich ausdrücklich von dieser Aktion und entschuldigen sich bei allen Fußballfans“, heißt es in dem Schreiben. Dietmar Hopp hatte schon zuvor gesagt: „Es ist Schwachsinn, dass der Verein so etwas initiiert hat. Es wäre grotesk, wenn wir die Schmähgesänge auf diesem Wege bekämpfen würden. Selbstjustiz ist nicht unsere Art.“

 
 

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