„Aktenzeichen XY ungelöst“ im ZDF bringt Hinweise auf Doppelmord in Dortmund-Eving

Mona Contzen, Michael Kohlstadt

Dortmund. Es ist der Albtraum eines jeden Ermittlers: Drei Jahre nach dem brutalen Doppelmord an zwei Frauen in Eving ist immer noch kein Täter gefasst. Polizei und Staatsanwaltschaft Dortmund erhoffen sich nun von der am Mittwoch ausgestrahlten ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ neue Hinweise, die zur Aufklärung des Raubmords führen könnten.

In der Nacht zum 28. Juni 2008 wurden Edith Schulze und ihre Tochter Roswitha Chadt, Bewohner einer Reihenhaussiedlung in Dortmund-Eving, Opfer eines brutalen Raubmordes. Die 85-jährige Mutter wurde erstickt, die 59-jährige Tochter mit mehreren Stichen getötet. Der Täter flüchtete mit mehr als 10.000 Euro. Darunter 20 Scheine zu je 500 Euro. Diese schreckliche Tat, bis heute noch immer nicht aufgeklärt, war Thema in der ZDF-Sendung XY ungelöst am Mittwoch, 3. August 2011.

Es seien acht Hinweise eingegangen, denen die Polizei jetzt nachgehe. Ein „sofortiger Handlungsbedarf“ bestehe laut Staatsanwaltschaft aber nicht.

Gemeinsam mit dem Dortmunder Hauptkommissar Thomas Seifert ließ Moderator Rudi Cerne den spektakulären Fall in seiner ganzen Grausamkeit Revue passieren. In der Hoffnung, dass es Menschen gibt, die sich erinnern. Jedes noch so kleine Detail kann von Nutzen sein, wenn die Kommissare viele Mosaiksteinchen zu einem Gesamtbild zusammen fügen. Das bringt frischen Wind in die sich seit drei Jahren zäh dahin ziehenden Ermittlungen.

Wer hat Beobachtungen am Tatort gemacht, die wichtig sein könnten? fragt die Staatsanwaltschaft. Wer hat Informationen über die Bargeld-Situation im Haus? Die Täter verfügten anscheinend über spezielle Tipps. Wer könnte von dem Geld gewusst haben? Und wer hat Informationen zum Umfeld der Ermordeten? Hat jemand nach dem 28. Juni 2008 in auffälliger Weise mit 500 Euro-Scheinen bezahlt oder geprahlt?

Mehrere Anrufer meldeten sich nach der Sendung. Darunter Hinweise, die sich „konkretisieren lassen“. Doch Polizei und Staatsanwaltschaft sind nicht glücklich darüber, dass einige der Infos so schnell öffentlich gemacht wurden. Dr. Ina Holznagel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagt: „Das ist alles zu früh raustrompetet worden.“ Was ihre Arbeit erheblich erschwere.

Aus der Reihe der Anrufer gab es Hinweise auf einen Mann, der BVB-Dauerkarten mit 500-Euro-Scheinen bezahlte. Bei dem Doppelmord hatten der oder die Täter 10.000 Euro in 500er-Noten erbeutet. Weitere Hinweise beziehen sich auf 500-Euro-Scheine, die „plötzlich aufgetaucht“ seien. Andere Anrufer meldeten Kontaktpersonen der Getöteten. Und Anrufe, die den Evinger Doppelmord mit einem früheren Verbrechen in Verbindung brachten, dessen Täter zwar 2008 im Gefängnis saß, aber Beziehung zu einer Mitarbeiterin des Pflegedienstes hatte, der Edith Schulze betreute. Die Staatsanwaltschaft winkt ab: Die Pflegerin sei seinerzeit überprüft worden.

10.000 Euro spurlos verschwunden

Von den 10.000 Euro, die die Mutter für Renovierungsarbeiten im Haus hatte, fehlte seitdem jede Spur. „Jeder muss sich Gedanken machen, wem er vom Geld erzählt haben könnte. Es ist sehr naheliegend, dass die Täter vom Geld gewusst haben“, so Oberstaatsanwältin Holznagel.

Nach den Morden war Staatsanwältin Carola Jakobs – sie gab den Fall vor einem Jahr an Henner Kruse ab – zunächst zuversichtlich, die Tat schnell aufklären zu können. Der Silberstreif am Horizont verpuffte: Es wurden zwar DNA-Spuren sichergestellt, Speichelproben genommen, ein Täterprofil erstellt – zur Ergreifung der Täter führte dies nicht.

Mittlerweile ist sich die Staatsanwaltschaft sicher: „Das gefundene DNA-Material gehört Menschen, die im Haus nichts zu suchen hatten.“

Hinweise nimmt die Polizei unter 0231/132 78 78 entgegen.